Wirtschaft : Strompreise sinken nur für die Industrie

FRANKFURT (MAIN) (ro). Die große Mehrheit der deutschen Privathaushalte muß im Gegensatz zur Industrie weiter auf niedrigere Strompreise warten, auch wenn die Tarife 1999 generell weiter sinken. Abgesehen von regionalen Ausnahmen wie dem baden-württembergischen Energieversorger EnBW halten sich die Anbieter mit Nachlässen für Privatkunden noch zurück. Nach Angaben der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW) müssen noch technische Vorbereitungen für eine breite Senkung des Strompreises getroffen werden. Dies soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein. VDEW-Präsident Heinz Klinger hält allerdings die seit Jahren für die Privathaushalte stabilen Strompreise schon für einen Erfolg der Liberalisierung auf dem Strommarkt. Die etwa 900 Stromversorgungsunternehmen in Deutschland wollen sich bis Ende September auch auf eine Kostensenkung und eine Vereinfachung der Durchleitung von Strom durch die bestehenden Netze einigen.

Die seit der Öffnung des Strommarktes im April 1998 wirksam gewordenen Preissenkungen beziffert Klinger, im Hauptberuf Vorstandschef der Isar-Amperwerke AG, auf Größenordnungen zwischen zwei und 30 Prozent. Profitiert davon haben in erster Linie etwa 300 000 Industriebetriebe, während die 43 Millionen Abnehmer in Privathaushalten und Kleingewerbe praktisch leer ausgegangen sind. Für die Stromversorger ist die, so Klinger, "revolutionäre" Veränderung des Marktes eine große Herausforderung, verbunden allerdings mit einem starken Kostendruck. Während der Stromabsatz in Deutschland 1998 um zwei Prozent auf 483 Mrd. Kilowattstunden zunahm, schrumpfte der Umsatz wegen der sinkenden Preise um ein halbes Prozent auf 122 Mrd. DM. Diese Entwicklung wird sich nach Einschätzung von Klinger in den nächsten Jahren verstärkt fortsetzen. Die Folge: Die Margen sinken, die Firmen versuchen, sich mit Rationalisierungen oder Fusionen gegen den Kostendruck zu wehren. Deshalb wurden 1998 rund 7000 Arbeitsplätze gestrichen. Auch von den derzeit noch 164 000 Jobs werden in den nächsten Jahren nach Angaben von Klinger viele wegfallen.

Zu den Belastungen durch den Wettbewerb gesellen sich nach Ansicht von Klinger weitere Lasten, die die Regierung den Stromversorgern aufbürde. Der Zwang, Strom von Dritten einzuspeisen, koste jedes Jahr über 500 Mill. DM, dazu komme die Belastung durch die Ökosteuer und das "falsche politische Ziel einer Stromerzeugung ohne Kernenergie". Wie hoch die für den Ausstieg notwendigen Rückstellungen der Versorger sind, könne man aber erst sagen, wenn die Entsorgung der Abfälle geregelt sei und die Rest-Laufzeit der Akws feststehe.

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