Strompreise : „Viele Ängste im Kopf“

Nur wenige Kunden wechseln hierzulande den Stromanbieter. In Großbritannien wechseln 40 Prozent aller Privatkunden jährlich.

Es ist schon merkwürdig: Da ärgern sich alle über steigende Strompreise, da raten Verbraucherschützer, doch zu einem billigeren Anbieter zu wechseln – und kaum einer tut’s. Nur sechs Prozent der deutschen Privatkunden sagen nach Erkenntnissen des Verbands der Elektrizitätswirtschaft ihrem alten Anbieter jährlich Ade. Das ist verschwindend wenig im Vergleich etwa zu Großbritannien, wo jährlich 40 Prozent der Haushaltskunden den Strom- und Gasanbieter wechseln. Warum bloß sind die deutschen Verbraucher so extrem anhänglich?

„Da sind viele Ängste im Kopf“, sagt Mathias Köster. Der Produktmanager bei dem unabhängigen Verbraucherportal Verivox hört immer wieder die gleichen Fragen, wenn sein Telefon klingelt. „Die Leute wollen wissen, was passiert, wenn ihr Strom ausfällt und fragen, was ein Wechsel kostet.“ Bei beiden Punkten kann er sie beruhigen. „Der Wechsel ist kostenlos“, sagt er. Und wenn der Strom ausfallen sollte, sei gesetzlich geregelt, dass der Netzanbieter – in Berlin ist das Vattenfall – den Haushalt im Notfall mit Strom versorgen muss. Und zwar auch, wenn der Kunde seinen Strom inzwischen bei der Konkurrenz kauft.

Den günstigsten Anbieter kann man am einfachsten im Internet ermitteln (siehe Kasten). Dazu sollten Sie wissen, wie viel Strom Sie im Jahr verbrauchen – das steht auf der letzten Rechnung. Bei der Suche nach Alternativen sollten Sie auf Preisgarantien und Mindestlaufzeiten des Vertrages achten und Anbieter meiden, die Vorkasse verlangen. Die Kündigung übernimmt in der Regel der neue Versorger, sechs bis acht Wochen dauert es, bis der Wechsel perfekt ist. „Man kann sich in der Regel nach sechs Monaten wieder von seinem Versorger trennen“, sagt Gabriele Francke von der Verbraucherzentrale Berlin. Das ist wichtig, weil natürlich auch der neue Anbieter teurer werden kann. Da hilft dann nur eins: weiterziehen. pet

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