Strompreise : „Wir werden wie Idioten behandelt“

Wegen der Strompreiserhöhung herrscht großer Andrang in der Verbraucherzentrale: „Einen solchen Ansturm habe ich in den letzten 18 Jahren nicht erlebt.“

Heike Jahberg

Jürgen und Ingrid Labuhn sind seit 40 Jahren Kunden beim Berliner Stromanbieter Vattenfall. Doch jetzt platzt dem Ehepaar aus Steglitz der Kragen: „Treue Kunden werden wie Idioten behandelt“, sagt Jürgen Labuhn. Wie er denken alle der 25 Verbraucher, die sich am Freitagmittag bei der Verbraucherzentrale Berlin (VZ) treffen. Sie sind sauer auf Vattenfall und wollen wissen, was sie jetzt tun können.

Weil der Andrang empörter Kunden so groß ist, führt die VZ jetzt Gruppenberatungen durch. „Über 300 Menschen waren in den vergangenen zehn Tagen bei uns“, berichtet Energieberater Konrad Schäfer. „Einen solchen Ansturm habe ich in den letzten 18 Jahren nicht erlebt.“ Ein Ende ist nicht in Sicht. Viele haben den Brief, in denen der Versorger eine Preiserhöhung von 6,5 Prozent zum 1. Juli ankündigt, noch gar nicht bekommen. „Das zieht sich bestimmt noch drei Wochen hin“, glaubt Schäfer.

Nicht nur die Preiserhöhung treibt die Leute auf die Barrikaden, sondern auch die Art und Weise, wie Vattenfall ihnen die schlechte Nachricht präsentiert hat. In den Briefen wird den Kunden nur die Wahl zwischen „Berlin Klassik Privatstrom“ und „Berlin Basis Privatstrom“ gelassen. Günstigere Tarife wie „Berlin Kompakt“ oder „Berlin easy“ werden verschwiegen. Das beiliegende Anmeldeformular ist nur für „Berlin Klassik“ verwendbar und nicht für die billigeren Alternativen. Und auch der kostenlose „Haushalts-Schutzbrief“, mit dem Vattenfall die Preiserhöhung mildern will, ist vielen ein Dorn im Auge, auch Verbraucherschützer Schäfer: „Wer eine Hausratversicherung hat, braucht das nicht.“

Inzwischen hat das Unternehmen Besserung gelobt, doch viele Kunden sind verprellt. Familie Labuhn will zwar beim Berliner Versorger bleiben, aber in einen billigeren Tarif wechseln. Andere wollen ganz wechseln. „Ich war von Geburt an bei der Bewag“, sagt eine ältere Dame, „aber jetzt reicht’s mir“. Heike Jahberg

Die Beratungen bei der VZ kosten fünf Euro, Anmeldungen unter: 030/21485-260 oder anmeldung@vz-bln.de

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