Strompreiserhöhungen : Was Kunden tun können

Zum Jahreswechsel erhöhen über 400 der rund 970 Stromversorger in Deutschland ihre Strompreise, darunter sind 359 Grundversorger. Tipps für den Wechsel.

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Preisrunde. Viele Versorger begründen den Anstieg mit gestiegenen Förderkosten für erneuerbare Energien. Das Argument zählt sicher. Zugleich nutzen einige Anbieter aber die Gelegenheit für einen Extra-Aufschlag. Foto: picture-alliance/ gms
Preisrunde. Viele Versorger begründen den Anstieg mit gestiegenen Förderkosten für erneuerbare Energien. Das Argument zählt...Foto: picture-alliance/ gms

Es ist eine Massenbewegung. Zum Jahreswechsel erhöhen über 400 der rund 970 Stromversorger in Deutschland ihre Strompreise. Darunter sind 359 Grundversorger, also die regionalen Anbieter, bei denen die meisten Kunden ihren Strom beziehen – meist aus Gewohnheit, weil das Unternehmen als Stadtwerk immer schon geliefert hat. In Berlin ist das Vattenfall Europe, Nachfolgerin der landeseigenen Bewag. Die Tochtergesellschaft des schwedischen Staatskonzerns hebt – wie berichtet – die Preise für den Standardtarif „Berlin Basis Privatstrom“ um 10,76 Prozent an und liegt damit auf Platz 21 unter den 359 Grundversorgern, die ihre Kunden belasten. Spitzenreiter ist das kleine Gemeindewerk Fußgönheim in Rheinland-Pfalz mit einem Aufschlag von fast 20 Prozent.

Zur Verteidigung von Vattenfall muss man anführen, dass Strom in Berlin im Bundesvergleich relativ günstig ist. Das liegt daran, dass sehr viele Stromhändler in der Hauptstadt präsent sein wollen. Daher ist der Wettbewerb um die Kunden hier stark. In der ostdeutschen Provinz dagegen sind die Energiepreise oft höher, da es dort kaum Konkurrenz gibt.

Betrachtet man die Entwicklung an der Leipziger Strombörse in diesem Jahr, wo die Stromhändler einkaufen, gäbe es eigentlich keinen Grund, die Preise anzuheben. Fast alle Stromversorger begründen ihren Schritt in Briefen an ihre Kunden daher mit den steigenden Kosten für die Förderung der erneuerbaren Energien. Das tun sie schon seit Jahren, oft war das Argument nur vorgeschoben.

In diesem Jahr aber ist es begründeter denn je: Seit zehn Jahren gibt es das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Es regelt, das Versorger mit dem Strompreis gleichzeitig auch einen Aufschlag für die sogenannte Einspeisevergütung erheben müssen. Mit diesem Geld werden die Menschen bezahlt, die privat oder gewerblich Strom mit Windrädern, Solar- oder Biomasseanlagen erzeugen. Jedes Jahr wird die Höhe dieses Aufschlages, den alle Stromkunden zahlen müssen, von der Regulierungsbehörde neu festgelegt. Die Höhe bemisst sich nach der Zahl und Leistung der neu angeschlossenen Anlagen zur sauberen Stromerzeugung. In diesem Jahr wurden extrem viele Solaranlagen angeschlossen.

Indirekt hat die Bundesregierung diese neue Strompreisrunde ausgelöst. Sie hatte sofort nach der Wahl angekündigt, die Fördersätze für Solarstrom radikal zu kürzen – mit der Absicht, alle Stromkunden vor steigenden Strompreisen zu bewahren. Aber das Gegenteil passierte: Weil die Regierung viele Monate lang mit der Kürzung zögerte, kamen immer mehr Bundesbürger auf die Idee, sich schnell noch eine Solaranlage anzuschaffen, um von den alten Fördersätzen zu profitieren, die 20 Jahre lang gelten. Die mittelbare Folge: Vor wenigen Wochen wurde festgesetzt, dass die EEG-Umlage von aktuell 2,04 Cent je Kilowattstunde um 1,49 Cent auf dann 3,53 Cent im kommenden Jahr steigt.

Einige Versorger nutzen die Gelegenheit jetzt für einen Extra-Aufschlag. So steigt Vattenfalls Tarif „Berlin Basis Privatstrom“ nicht nur um 1,49 Cent, sondern um 2,33 Cent auf dann insgesamt 22,56 Cent je Kilowattstunde – zusätzlich zum stabil bleibenden Grundpreis von 5,90 Euro im Monat. Für alle, die auf Service wie etwa eine Rechnung per Briefpost verzichten können, halten fast alle Versorger einen etwas günstigeren Tarif bereit. Bei Vattenfall wäre das „Berlin Easy Privatstrom“: Der steigt ebenfalls um 2,33 Cent auf dann 21,48 Cent bei 5,60 Euro Grundgebühr. Dieser Tarif bietet auch die Vergleichsgrundlage für die hier angefügte Tabelle.

Wer die Erhöhung nicht mitmachen will, kann wechseln. Bei Vergleichsportalen wie Check24 im Internet kann man sich einen Tarif nach persönlichen Vorlieben bequem raussuchen. Die Experten des Portals empfehlen Tarife mit langen Preisgarantien und Vertragslaufzeiten von maximal zwölf Monaten.

Wer Strom beziehen möchte, der nicht in Kohle- oder Kernkraftwerken erzeugt wurde, kann auch einen Ökostromanbieter wählen. Viele sind im Preis mittlerweile konkurrenzfähig. Der Anbieter Naturstrom etwa ist wegen einer Klausel im EEG von der Öko-Abgabe befreit, da er mehr als die Hälfte des Stroms direkt bei inländischen Erzeugern von Windkraftanlagen einkauft. Neukunden zahlen dort kaum mehr als bei Vattenfall: 21,25 Cent pro Kilowattstunde bei einem leicht höheren Grundpreis von 7,95 Euro.

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