Wirtschaft : Strompreisverfall macht auch dem Fusionspartner Veba zu schaffen

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Der Verfall der Strompreise macht den Mischkonzernen Veba AG und Viag AG zu schaffen, die in Kürze fusionieren wollen. Die Viag verzeichnete im ersten Quartal 2000 einen Gewinneinbruch um 24 Prozent auf gut 390 Millionen Mark, das Veba-Betriebsergebnis sank um fünf Prozent auf 1,18 Milliarden Mark. Beide Unternehmen veröffentlichten am Donnerstag ihre Zwischenberichte. Während die Börsen die Konzernaussichten mit steigenden Kursen honorierten, stufte die Bankgesellschaft Berlin beide Unternehmen von "kaufen" auf "akkumulieren" zurück. Kommenden Monat wird die Zustimmung der Europäischen Kommission zur Fusion zur neuen E.ON AG erwartet.

Trotz des Gewinneinbruchs will die Viag AG bis Jahresende operativ wieder an das Ertragsniveau vom Vorjahr heranreichen. Neben dem Strompreisverfall schlagen auch Anlaufverluste in der Sparte Telekommunikation und Zinslasten im Chemiegeschäft negativ zu Buche. Positive Impulse liefert ausgerechnet das Industriegeschäft, von dem sich die Viag im Zuge der Fusion trennen will. Vor allem wegen dieser Aktivitäten ist der Konzernumsatz bis Ende März um ein Zehntel auf gut zehn Milliarden Mark gestiegen. Gespalten verläuft die Viag-Entwicklung auch bei der Belegschaft. Während in der Hauptsparte Energie Personal abgebaut wird, um Kosten zu senken, werden in der Telekommunikation bei Viag Interkom massiv Stellen geschaffen. Hoffnungen setzt die Viag aber nicht nur auf den Personalabbau, sondern auch auf ein Auslaufen des Strompreisverfalls im Laufe des Jahres. Dagegen dürfte der für Sommer 2000 geplante Kauf von neuen UMTS-Lizenzen für das Handygeschäft für Belastungen in Milliardenhöhe sorgen.

Bei der Veba AG schlug das rückläufige Stromergebnis nicht auf den Vorsteuergewinn durch. Er war beeinflusst durch einmalige Einnahmen aus Firmenverkäufen. Den größten Teil davon brachte der Verkauf der Beteiligung an dem Mobilfunkbetreiber E-Plus und an der schweizerischen Kabelfernsehgesellschaft Cablecom. Dank dieser Buchgewinne und eines in fast allen Bereichen erwarteten Gewinnwachstums stellte das Unternehmen für dieses Jahr erneut ein Rekordergebnis in Aussicht.

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