• Stromtitel: Konsens beim Atomausstieg bringt keine Kursfantasie - Commerzbank erwartet mittelfristige Trendwende

Wirtschaft : Stromtitel: Konsens beim Atomausstieg bringt keine Kursfantasie - Commerzbank erwartet mittelfristige Trendwende

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Die Strombranche ist seit der Liberalisierung vor einem Jahr in Deutschland, einem der wenigen EU-Länder mit hundertprozentiger Marktöffnung, mächtig durch einander gewirbelt worden. Die Preise für Elektrizität sind rapide gesunken, die Ergebnisse aller deutschen Strom produzierenden Unternehmen schwer belastet. Nur die Stadtwerke, an denen die vier großen deutschen Stromerzeuger-Gruppen Eon, RWE mit seinem Fusionspartner VEW, Energie-Baden Württemberg AG und die ostdeutsche Veag vielfältig beteiligt sind, profitierten vom Preisverfall, wenn sie keine eigene Erzeugung besitzen.

Die Branche steht nun mitten in einem großen Umbruchprozess. RWE und Eon haben ihre nationalen Fusionen über die Bühne gebracht und richten den Fokus jetzt international aus. Bei der Veag steht eine Neuordnung ins Haus, weil sowohl RWE/VEW als auch Eon nach kartellrechtlichen Auflagen für ihre Fusionen ihre Anteile verkaufen müssen. Als Käufer steht die Berliner Bewag mit ihrem Partner Southern Energy bereit, aber auch das Konsortium aus der Hamburger HEW und der schwedischen Vattenfall hat durchaus Chancen. Southern Energy hält bisher 26 Prozent an der Bewag und gilt auch als der natürliche Käufer der 51 Prozent Eon-Anteile an der Bewag. Sie müssen bis Jahresende abgegeben werden, hat die EU-Kartellbehörde verlangt. Bewag steht deshalb bei der Commerzbank auf Kaufen.

Die deutsche Industrie hat von den fallenden Preisen am liberalisierten EU-Strommarkt bisher mit Abstand am meisten profitiert. Normal- und Großverbraucher zahlten im Januar 2000 je 100 Kilowattstunden (kWh) durchschnittlich 22,2 oder 23,1 Prozent weniger als im Jahr zuvor, beim Kleinverbraucher betrug der Rückgang nach Angaben von Eurostat, dem Statistischen Amt der EU, 13,8 Prozent. Mit massiven Kosteneinsparungen reagieren die Konzerne. Bei RWE trat zum 1. Juli die 51er-Regelung in Kraft, was von den Betroffenen sarkastisch als "Moorhuhn- Schießen" bezeichnet wird: Alle Jahrgänge ab 1949 und älter sollen das Unternehmen zu allerdings günstigen Konditionen verlassen. Rückstellungen von über zwei Milliarden Mark sind dafür schon gebildet worden. Intern wird mit einer Ausstiegsquote von mindestens 80 Prozent gerechnet. Aber auch Eon Energie und die anderen Wettbewerber setzen massiv den Rotstift an. Da sich die Preise aber langsam wieder zu stabilisieren scheinen und die Talfahrt bis Ende 2000 beendet sein soll, wirken sich die Kostenmaßnahmen im Ergebnis schon mittelfristig positiv aus. Die Commerzbank-Analysten erwarten die Trendwende schon im kommenden Jahr.

Während diese Faktoren für eine Erholung der Kurse von Eon und RWE sprechen, dürfte die Einigung der Elektrizitätswirtschaft mit der Bundesregierung in Sachen Atomausstieg keine weiteren Impulse mehr geben. Die WestLB-Analyse sieht darin das Kursniveau nach unten besser abgesichert. Weil sich aber an den schwierigen Rahmenbedingungen des Stromgeschäfts, das weiter unter Preisverfall und zunehmend grenzüberschreitenden Wettbewerb leidet, wenig ändere, bleibt die Düsseldorfer Bank bei der neutralen Gewichtung der Versorger.

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