Wirtschaft : Stromwirtschaft: Berlin soll Standort für "Neue Kraft" werden

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Der Vorstandsvorsitzende des ostdeutschen Stromversorgers Veag, Jürgen Stotz, hält es für wünschenswert, dass die Berliner Bewag mittelfristig Teil der nordostdeutschen "Neuen Kraft" wird. Eine Verbindung aller vier Unternehmen - HEW, Veag, Laubag und Bewag - sei sinnvoll, um in Zukunft in Deutschland und Europa den Wettbewerbern Paroli bieten zu können, sagte Stotz dieser Zeitung. Allein könne die Bewag langfristig allenfalls in Nischenmärkten existieren. Auch für den Verbund mit Laubag und HEW gäbe es Vorteile, wenn die Bewag als vertriebsstarkes Unternehmen beteiligt sei.

Der Braunkohleverstromer Veag stehe heute weit besser da als noch 1999, meint dessen Chef. Die Strompreise seien in den vergangenen Monaten wieder angezogen und die Erzeugungskosten bei der Veag seien rascher gesenkt worden als geplant. Den Eigentümern verspricht Stotz eine marktübliche Verzinsung des Kaufpreises für die Veag spätestens ab 2005. Stotz begrüßt, dass das schwedische Unternehmen Vattenfall nun zügig mit der Bildung des neuen Konzerns beginnen will. "Wir müssen uns jetzt schnell am Markt positionieren." Gemeinsam mit der HEW werde die Veag direkt und über den Weg des Stromhandels Kunden in Deutschland und im europäischen Ausland akquirieren. Die Schwerpunkte sollen bei Partnerschaften mit Stadtwerken und Regionalversorgern und dem Aufbau eines Vertriebsnetzes auch in Osteuropa liegen. Rund zwei Drittel der erzeugten Strommenge der Veag von 60 Terrawattstunden würden auch weiterhin über Regionalversorger und Großkunden in Ostdeutschland gebunden sein. Nur ein Anteil von rund drei Prozent werde in Berlin über die Bewag verkauft. Für das kommende Jahr kündigte Stotz die Bildung einer gemeinsamen Übertragungsnetz-Gesellschaft aus den Stromnetzen der beteiligten Unternehmen Veag und HEW an. Auch ohne eine direkte Beteiligung der Bewag am gemeinsamen Unternehmensverbund sei dabei eine Einbindung der Bewag-Übertragungsnetze denkbar.

Offen ließ der Veag-Chef, ob es kurzfristig zu einer Fusion der Veag und des Braunkohleförderers Laubag kommen wird. Eine "gemeinsame Unternehmensführung" bereits im kommenden Jahr strebe man an. Da die Schwerpunkte der Stromerzeugung aus Braunkohle in der Lausitz liegen, hält es Stotz für "naheliegend", dass auch der Sitz der gemeinsamen Führung von Veag- und Laubaganlagen dorthin verlagert wird. Beide Unternehmen zusammen beschäftigen heute rund 12 000 Mitarbeiter, wobei nicht alle im Erzeugungsbereich tätig sind.

Der Mehrheitsaktionär beider Unternehmen, die HEW, muss für eine Fusion die Zustimmung der Eigentumsgesellschaft EBH einholen. An der EBH (25-Prozent-Eigentümer der Veag) halten Bewag und EnBW Energie Baden-Württemberg Anteile. Ein EnBW-Sprecher sagte dem Tagesspiegel am Wochenende, dass die nun "wieder offene Neuordnung der Energiewirtschaft in den neuen Bundesländern zur Schaffung dauerhaft wettbewerbsfähiger Unternehmens- und Marktstrukturen genutzt werden soll". Daran wolle EnBW mitwirken.

Als Sitz der Führungs-Holding der "Neuen Kraft" präferiert Stotz Berlin. In der deutschen Hauptstadt würden nicht nur die politischen Entscheidungen getroffen, was für die Entwicklung eines Versorgungsunternehmens wichtig sei. Mit Blick auf die Osterweiterung der Europäischen Union biete Berlin auch regionale Vorteile. Nach dem Ausstieg der Bewag aus der "Neuen Kraft" prüfen die Hamburger und Berliner Energieerzeuger und der Senat von Berlin, welche Konsequenzen sich für den Standort der Holding ergeben.

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