Studie : Die Deutschen, ein Volk von Angsthasen

Laut einer Studie der R+V-Versicherung fürchten die Deutschen nichts so sehr wie eine Inflation - dabei sind die Preise in Deutschland stabil. Die größten Optimisten sitzen in Berlin.

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Berlin - Spinnen die Deutschen? Vor nichts fürchten sich die Bundesbürger so sehr wie vor einer Inflation. Das hat die R+V-Versicherung in einer repräsentativen Umfrage herausgefunden. 68 Prozent der Bürger haben danach „große Angst“ vor steigenden Lebenshaltungskosten, teilte R+V-Sprecherin Rita Jakli am Donnerstag in Berlin mit. Das Komische: In Deutschland gibt es zur Zeit gar keine Inflationsgefahr, das ist amtlich. Denn ebenfalls am Donnerstag präsentierte das Statistische Bundesamt die aktuellen Daten: Von Juli bis August sind die Preise danach überhaupt nicht gestiegen, verglichen mit dem August des vergangenen Jahres haben sich die Preise gerade mal um ein Prozent verteuert.

Manfred Schmidt, Professor an der Universität Heidelberg, wundert diese Diskrepanz nicht. Hinter der Inflationsangst steckt die Furcht vor dem Abstieg, weiß der Politologe. „Die Menschen suchen nach sozialer, ökonomischer und persönlicher Sicherheit.“ Dazu passt, dass die Sorge vor einer Verschlechterung der Wirtschaftslage auf Platz zwei der Ängsteskala rangiert – für Schmidt eine Folge der Finanz- und Eurokrise. Nach dem Erdbeben in Haiti, dem Vulkanausbruch in Island und der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist die Angst vor Naturkatastrophen deutlich gestiegen und liegt jetzt auf Platz drei.

Seit 20 Jahren befragt die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag der R+V-Versicherung Deutsche nach ihren größten Ängsten. Der aktuellen Studie liegen Antworten von rund 2 500 Bürgern zugrunde, die im Sommer von GfK-Mitarbeitern aufgesucht worden waren. Die neuen Zahlen zeigen: Verglichen mit dem Vorjahr ist die Angst der Deutschen deutlich gestiegen, berichtet R+V-Sprecherin Jakli: „Die Werte erreichen erstmals seit 2005 wieder ein Höchstniveau“. Nur in einem Punkt sind die Bürger hoffnungsfroher als im Vorjahr: Die Angst vor Arbeitslosigkeit ist gesunken. „Die sozialpolitischen Programme und die Kurzarbeit haben gewirkt“, meint Schmidt. Ansonsten schneiden die Politiker in der Umfrage aber schlecht ab. Sie erhalten die Durchschnittsnote 4,6 (2009: 4,3). „In der Schule wird man damit nicht versetzt“, meint Jakli.

Die größten Optimisten sitzen in Berlin. Gemeinsam mit Bayern liegt die Hauptstadt im Länderranking auf Platz eins. Auch die Berliner fürchten sich vor allem vor einer Verschlechterung der Wirtschaftslage und vor Inflation. Erst am untersten Ende der Angstskala kommt die Furcht davor, dass die Kinder drogensüchtig werden und die Partnerschaft zerbrechen könnte. Dabei hätten Eheleute allen Grund, Angst vor einer Trennung zu haben. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes wird bundesweit inzwischen jede zweite Ehe geschieden.

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