Studie : Die Reichen werden ärmer

Das ergibt eine Studie der Böckler-Stiftung – trotzdem müsse man die unteren Einkommen stärken.

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Berlin - Deutschland ist im Krisenjahr 2009 insgesamt ärmer geworden. Das Volkseinkommen, also die Summe des gesamten Geldes, das in Deutschland verdient wurde, ist im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um etwa sieben Prozent auf 856 Milliarden Euro gesunken. Das teilte die gewerkschaftliche Hans-Böckler-Stiftung bei der Vorstellung ihres neuen Verteilungsberichts in Berlin mit.

Der Studie zufolge ist der Anteil der Gewinne aus Vermögen und unternehmerischer Tätigkeit vor Steuern am Volkseinkommen, die sogenannte Bruttogewinnquote, erstmals seit Jahren nicht weiter gestiegen. Ihr Gegenstück, die Bruttolohnquote, die eigentlich seit Jahren sinkt, ist hingegen auf 68 Prozent gestiegen. Das heißt, rund zwei Drittel aller Bruttoeinkünfte in Deutschland stammen aus Erwerbsarbeit. Auf einen steigenden Wohlstand der Arbeitnehmer lasse das aber nicht schließen, sagte Claus Schäfer, Verteilungsexperte der Böckler-Stiftung. Vielmehr habe die Rezession die Vermögens- und Gewinneinkommen nur zuerst getroffen.

Die Stabilität der Erwerbseinkünfte sei „ein wesentlicher Faktor dafür, dass die Konjunktur insgesamt nicht noch weiter abgestürzt ist“, sagte Schäfer. Mit ihren Einkommen hätten die Bürger die Binnennachfrage gestützt. „Ohne eine ausreichende Binnennachfrage ist wirtschaftliches Wachstum nicht möglich. Wird sie weiter geschwächt, kommen wir aus der Krise nicht heraus“, sagte Schäfer.

Doch genau das befürchtet er: „Einkommensverluste durch kürzere Arbeitszeit, aufgeschobene oder angerechnete Tariferhöhungen, Verdrängung von Vollzeit durch Teilzeit und steigende Arbeitslosigkeit werden sich in deutlich weniger Nachfrage niederschlagen.“

Von den Steuersenkungsplänen der neuen Bundesregierung verspricht Schäfer sich nichts: „Weil davon die oberen Einkommensschichten profitieren, die zusätzliche Einkommen nur zu Teilen wieder ausgeben, gibt das nur ein sehr geringes Wachstum.“ Als Maßnahmen gegen die Krise schlägt Schäfer stattdessen die Einführung eines Mindestlohns, eine einheitliche Kindergrundsicherung sowie eine Erhöhung der Hartz IV-Regelsätze vor. mco

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