Wirtschaft : Studie: Dosenpfand kostet 10 000 Jobs

Mehrweg gleicht Verluste nicht aus Trittin bezweifelt die Ergebnisse

-

Berlin (msh). Ein noch nicht veröffentlichtes Gutachten sorgt für neuen Streit zwischen Gegnern und Befürwortern des Dosenpfandes. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) teilte am Montag mit, das Pflichtpfand auf Getränke-Einwegverpackungen werde bei Abfüllern und Verpackungsherstellern 2003 und 2004 zu Umsatzverlusten in Höhe von 1,2 Milliarden Euro führen und rund 10 000 Arbeitsplätze vernichten. Dies gehe aus einem Gutachten des Marktforschungsinstituts Prognos hervor, das vom Bundestag in Auftrag gegeben wurde und am Dienstag im Wirtschaftsministerium präsentiert wird. Der DIHK habe die Studie vorab einsehen können, sagte ein Sprecher. Umweltminister Jürgen Trittin zweifelte die Ergebnisse des Gutachtens an.

Seit der Einführung des Pfandes zu Jahresbeginn war der Verkauf von Getränken in Dosen und Einwegflaschen drastisch eingebrochen. Die Produzenten von Einwegverpackungen und Abfüller, die stark auf Einweg gesetzt hatten, mussten Kurzarbeit anordnen oder sogar Mitarbeiter entlassen. „Zwar hat der Verkauf von Mehrwegflaschen zugelegt. Die Verluste beim Einweg konnte das aber nicht kompensieren“, sagte DIHK-Umweltreferent Armin Rockholz. Der DIHK sehe sich in seiner Position bestärkt, wonach die gesamtwirtschaftlichen Aufwendungen des Pflichtpfandes in keinem Verhältnis zu den ökologischen Vorteilen stehen. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) und der Bundesrat müssten sich jetzt gegen das Pfand aussprechen, forderte der DIHK.

Dünne Datenlage

Umweltminister Trittin kritisierte die Studie scharf. Die Datengrundlage des Gutachtens sei „ausgesprochen dünn“, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums. Zudem sei in einem Zwischenbericht noch von einem Anstieg der Beschäftigung von rund 2700 Stellen ausgegangen worden, im Schlussbericht aber von einem Verlust von 6500 Jobs. Auch der Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels bestritt die negativen Wirkungen des Dosenpfandes auf die Beschäftigung. Der Verband hatte zusammen mit der Deutschen Umwelthilfe kürzlich eine Studie vorgelegt, wonach das Pfand im ersten Halbjahr 14 400 neue Arbeitsplätze in der Mehrwegindustrie geschaffen hat. Die Verluste in der Einwegbranche berücksichtigte die Studie allerdings nicht.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, das vom Bundestag in Auftrag gegebene Gutachten werde am Dienstag zunächst intern bewertet. Ob und wann es veröffentlicht werde, stehe noch nicht fest.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben