Studie : Eine Billion Euro weniger für die Frauen

Eine Studie belegt Rückstand bei den Rentenbezügen. Im Osten ist die Lücke kleiner, da dort Frauen häufiger gearbeitet haben.

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Bei den Bezügen aus der gesetzlichen Rente klafft zwischen Männern und Frauen in Deutschland eine Lücke von mehr als einer Billion Euro. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), die gestern in Berlin präsentiert wurde. Das DIA wird von der Deutschen Bank und der Zurich-Versicherungsgruppe getragen. Besonders eklatant ist der Unterschied in den alten Bundesländern. Trotz einer um fünf Jahre längeren Lebenserwartung erhielten Rentnerinnen dort im Schnitt 77 000 Euro weniger als männliche Ruheständler.

Als Gründe für die ökonomische Benachteiligung der Frauen im Alter nannte Studienautorin Eva Kreienkamp lange Kinderausfallzeiten und die oft schlechtere Bezahlung. So verdienten Frauen hierzulande 23 Prozent weniger als Männer – europaweit betrage die Einkommensdifferenz nur 17,4 Prozent. Von den Fach- und Führungskräften seien nur 25 Prozent weiblich. Im Topmanagement liege die Quote bei maximal zehn Prozent. In Ostdeutschland ist der Gehaltsabstand weit weniger drastisch: Er liegt dort bei sechs Prozent, im Westen sind es 24.

Die Unterschiede in Erwerbsbiographie und Bezahlung spiegeln sich natürlich in der gesetzlichen Rente. In den neuen Bundesländern, wo mehr Frauen als vollzeitbeschäftigt registriert waren als im Westen, macht die Rentenlücke zwischen den Geschlechtern nur 16 Prozent aus, in Westdeutschland 35 Prozent.

Allerdings holen die Frauen auch in den alten Bundesländern bei Einkommen und Rente kräftig auf. Wegen der immer besseren Ausbildung jüngerer Frauen, dem Verschwinden alter Rollenklischees und der demografisch bedingten Verknappung von Arbeitskräften sei schon für die nächste Generation eine materielle Gleichstellung von 70 bis 80 Prozent der Frauen zu erwarten, prognostizierte das DIA. Bei der Entwicklung werden sich Ost und West jedoch weiter unterscheiden. Für die alten Länder rechnen die Forscher mit etwa gleichbleibenden Rentenanwartschaften der Männer und steigenden Ansprüchen der Frauen. Im Osten dagegen seien für beide Geschlechter sinkende Renten zu erwarten. Und die großen Verlierer sind dort die Männer, denn sie waren und sind von der Arbeitslosigkeit nach der Wende besonders betroffen.

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