Studie : Generation Praktikum? Die Zeiten sind vorbei

Erst Uni, dann ein Praktikum nach dem anderen? Das ist offenbar vorbei: Hochschulabsolventen starten erfolgreich in den Beruf

Uwe Schlicht
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Vom Student zum Taxifahrer: Das Klischee stimmt heutzutage nicht mehr. Foto: dpadpa-Zentralbild

BerlinViele verbreitete Aussagen über das Schicksal von Hochschulabsolventen müssen wahrscheinlich korrigiert werden. Weder gibt es als Massenphänomen den Dr. phil., der nach der Promotion als Taxifahrer arbeitet, noch existiert eine ganze Generation schlecht bis gar nicht bezahlter Hochschulabsolventen, die sich von Praktikum zu Praktikum hangelt.

Als „empirischen Unsinn“ bezeichnete Harald Schomburg solche Aussagen am Donnerstag in Berlin. Er ist Projektleiter beim in Kassel ansässigen Internationalen Zentrum für Hochschulforschung (Incher), das 35 000 Hochschulabsolventen aus 48 Hochschulen befragt hat. Die Studie habe vielmehr ergeben, dass die Absolventen des Jahrgangs 2007 nur drei Monate brauchten, um eine Stelle zu finden.

Außerdem würden die Absolventen der neuen Studiengänge mit dem Bachelor- und Master-Abschluss bei der Berufssuche keineswegs benachteiligt. Schomburg spricht von einer „fast normalen Situation für die Bachelor-Absolventen von Universitäten und Fachhochschulen beim Berufsübergang und Berufsstart“. Die meisten Bachelor-Absolventen finden auch, dass sie eine ihrer Ausbildung adäquate Beschäftigung gefunden haben, und geben an, mit ihrer beruflichen Situation zufrieden zu sein.

Dennoch zeigen sich Unterschiede in der Bezahlung, je nach Studienfach. Wenn man vom bisherigen Durchschnittseinkommen von brutto 2800 Euro für Absolventen mit dem alten Diplomabschluss ausgeht, liege das Einkommen der Bachelor-Absolventen von den Universitäten um etwa 20 Prozent niedriger, das der Bachelor-Absolventen von Fachhochschulen um 15 Prozent niedriger.

Besser als der Bachelor wird der Master bezahlt. Die Gehaltsdifferenz zwischen Master und Bachelor liegt in den Naturwissenschaften bei 31 Prozent, in den Kultur- und Sozialwissenschaften bei 21 und in den Wirtschaftswissenschaften bei 17 Prozent. Da Ingenieure begehrt sind und Fachhochschulen oft als praxisnäher gelten, ist hier die Differenz zwischen der Master- und der Bachelor-Bezahlung mit nur fünf Prozent besonders gering.

Ein weiteres Ergebnis erstaunt: Die Reputation einer Hochschule ist bei einer Einstellung nicht das wichtigste Kriterium. Nur elf Prozent der Bachelor-Absolventen der Universitäten bewerten den Ruf der Hochschule als Einstellungskriterium an der ersten Stelle. Nur die im Exzellenzwettbewerb ausgezeichneten Eliteuniversitäten bieten ihren Absolventen besser bewertete Einstellungschancen.

Auch die Mobilität scheint durch die Studienreform mit Bachelor und Master nicht zum Erliegen gekommen zu sein. 42 Prozent der Absolventen seien entweder vor oder direkt nach dem Studium mobil. Auch während des Studiums gibt es genügend Studenten, die ins Ausland gegangen waren.

Einwenden lässt sich, dass die 35 000 Befragten des Absolventenjahrgangs 2007 ihre „verblüffend positiven Aussagen“ in Zeiten einer Hochkonjunktur getätigt haben. Die nächste Befragung durch Incher wird den Absolventen des Jahrgangs 2009 gewidmet sein. Gefragt werden sie 2010 – zum Zeitpunkt also, an dem die Wirtschaftskrise voll zum Tragen gekommen ist. Zudem wird der Jahrgang 2007 in fünf Jahren erneut befragt.

Das Internationale Zentrum für Hochschulforschung begleitet den Bologna-Prozess mit Befragungen. Die Untersuchung wurde vom Bundesbildungsministerium mitfinanziert. Der Leiter der Unterabteilung Hochschulen, Peter Greisler, sprach von einem ermutigenden Zwischenergebnis, das die Reformen bei Bachelor und Master bestätigt habe.

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