Studie : Krank zur Arbeit

03.07.2007 17:48 Uhr
Schnupfen Foto: ddp
Tapfer auch bei Grippe. - Foto: ddp

Die Nase tropft, der Magen schmerzt, der Schädel brummt – und trotzdem schleppen sich viele Deutsche zur Arbeit. Gesundheitsexperten appellieren an das Verantwortungsgefühl der Unternehmen.

Berlin - Die Nase tropft, der Magen schmerzt, der Schädel brummt – und trotzdem schleppen sich viele Deutsche zur Arbeit. 71 Prozent der Beschäftigten seien in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal zur Arbeit gegangen, obwohl sie sich richtig krank gefühlt hätten, hat der Gesundheitsmonitor der Bertelsmann-Stiftung in einer Umfrage herausgefunden, die am Dienstag in Gütersloh vorgestellt wurde. 46 Prozent gaben sogar an, dies zweimal oder öfter getan zu haben. Ein Drittel der Befragten habe dabei sogar den ausdrücklichen Rat des Arztes ignoriert.

Da die Arbeitnehmer also offenbar nicht selbst auf sich achten, appellieren die Experten der Bertelsmann-Stiftung an das Verantwortungsgefühl der Unternehmen.

„Die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der anwesenden Belegschaft in den Unternehmen muss stärker beachtet werden“, mahnte Projektmanager Andreas Heyer. „Mitarbeiter, die sich trotz Krankheit zur Arbeit schleppen, sind durch Produktivitätseinbußen und Ansteckungsgefahr für Kollegen langfristig auch nicht im Interesse der Unternehmen.“

Der Krankenstand geht schon seit Jahren kontinuierlich zurück, wie die Statistiken der gesetzlichen Krankenkassen zeigen. Im vergangenen Jahr war jeder Arbeitnehmer im Durchschnitt 7,2 Tage krankgemeldet. So niedrig war die Quote seit der Wiedervereinigung nicht mehr.

Die Krankenkassen begründeten den Trend bislang mit der wachsenden Angst vor Arbeitsplatzverlust. Das mag in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch eingeleuchtet haben, doch inzwischen ist die Wirtschaft im Aufschwung, was sich auch an einer wachsenden Zahl von Arbeitsplätzen niederschlägt.

Die Sorge, das der eigene Job an einen Gesünderen vergeben werden könnte, ist aber trotzdem noch ziemlich ausgeprägt. Rund ein Viertel der 1689 Menschen, die im März und April 2007 für den Gesundheitsmonitor befragt wurden, gab an, dass die Angst vor beruflichen Nachteilen oder Arbeitsplatzverlust sie bewogen habe, trotz Schniefnase und kratzendem Hals zur Arbeit zu gehen. Das ist umso erstaunlicher, als es nach Erkenntnissen der Stiftung für häufiger oder länger krankgeschriebene Kollegen nur in Einzelfällen zu beruflichen Nachteilen wie Abmahnungen gekommen war. Immerhin 13 Prozent der Befragten gaben aber an, dass ihr Vorgesetzter nach krankheitsbedingter Abwesenheit regelmäßig ein „Rückkehrgespräch“ führt. Und auch das scheint ziemlich gefürchtet zu sein.

Die Mehrzahl der Befragten gab an, dass es schlicht ihr Pflichtgefühl ist, dass sie auch in lädiertem Zustand zum Job treibe. 44 Prozent haben schon mindestens zweimal die Zähne zusammengebissen und bis zum Wochenende durchgehalten, um sich auszukurieren. pet

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