Studie : Sehnsucht nach dem Staatsversorger

27.08.2009 00:00 UhrVon Kevin P. Hoffmann
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Strom, Gas, Wasser. Die Bürger vertrauen den Stadtwerken mehr als den Sparkassen und Gewerkschaften. Und sie erwarten, dass die Werke etwas fürs Gemeinwohl tun. Foto: dpa - dpa

Die Versorgung mit Strom, Gas und Wasser, die Abfallentsorgung, der öffentliche Nahverkehr: Solche grundlegenden Dienstleitungen sollten am besten von staatlich kontrollierten Unternehmen erbracht werden. Das sieht mit 68 Prozent die große Mehrheit der Menschen in Deutschland so.

Berlin Die Versorgung mit Strom, Gas und Wasser, die Abfallentsorgung, der öffentliche Nahverkehr: Solche grundlegenden Dienstleitungen sollten am besten von staatlich kontrollierten Unternehmen erbracht werden. Das sieht mit 68 Prozent die große Mehrheit der Menschen in Deutschland so. Privaten Versorgern, etwa großen Energiekonzernen, vertrauen dagegen nur 29 Prozent. Das geht aus einer aktuellen repräsentativen Untersuchung im Auftrag des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) hervor, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Das Institut TNS Emnid hatte dazu mit 1000 Bürgern Telefoninterviews geführt.

Demnach vertrauen 81 Prozent der Befragten ihren örtlichen Stadtwerken, aber nur 26 Prozent Großunternehmen und Konzernen im Allgemeinen. „Dass dieser Trend zu unseren Gunsten geht, hat sicher auch eine Ursache in der Wirtschafts- und Finanzkrise“, sagte VKU- Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck. Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer von TNS Emnid, sagte: „Es gibt eine neue Regel. Bei den Menschen gilt klein vor groß, kommunal vor global.“ Seinen Ergebnissen zufolge halten 88 Prozent der Bürger die Zuverlässigkeit ihres Strom- oder Gasversorgers für „sehr wichtig“, gefolgt von einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis (85 Prozent) und Umweltorientierung (78 Prozent). Wirtschaftlicher Erfolg des Versorgers ist dagegen nur 44 Prozent „sehr wichtig“.

Und für wie gut halten die Bürger ihre Stadtwerke? 97 Prozent bezeichnen die Zuverlässigkeit der Versorgung als „sehr gut“ oder „eher gut“. 79 Prozent sagen das auch über die Verständlichkeit ihrer Abrechnung – was die Auftraggeber überraschte. Die Beratungsmöglichkeiten zum Energiesparen und das Angebot erneuerbarer Energien bezeichneten nur gut 60 Prozent als „sehr gut“ oder „eher gut“. „Das ist unsere Schwachstelle“, räumte Reck ein – obwohl nach seiner Ansicht gerade die kommunalen Versorger Vorreiter bei der dezentralen und damit umweltfreundlichen Energieerzeugung sind. Private Stromerzeuger behaupten freilich das Gegenteil.

Die Ergebnisse – darum hat der VKU sie vorgestellt – unterstützen die Befürworter der Rekommunalisierung. Dieser Begriff bezeichnet den in den vergangenen Jahren zunehmenden Trend unter Kommunen, ihre einst verkauften Energieversorger wieder zurückzukaufen. Einige Städte, wie etwa Hamburg, gründen sogar neue. Erst vor zwei Wochen hatte der Stromversorger Eon bekannt gegeben, seine Stadtwerke-Holding Thüga an ein Bündnis kommunaler Versorger zu verkaufen. Auch das erhöht das Gewicht des Staates im Energiesektor.

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