Studie : Wirtschaftskriminalität schädigt deutsche Firmen in Milliardenhöhe

Betrug, Korruption, Industriespionage und andere Formen der Wirtschaftskriminalität kosten deutsche Unternehmen einer Studie zufolge sechs Milliarden Euro jährlich. Fast jede zweite Straftat wird von einem Mitarbeiter verübt.

Frankfurt/MainBei den Ergebnissen der Untersuchung handele es sich allein um aufgedeckte Straftaten, heißt es in der von der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg veröffentlichten Studie. Etwa jede dritte Straftat wird demnach gar nicht angezeigt. Bei Korruption wenden sich deutsche Unternehmen sogar nur in jedem zweiten Fall an die Staatsanwaltschaft. Für diese Zurückhaltung sei offenbar die Sorge um den Ruf des Unternehmens ein wichtiger Grund, vermuten die Autoren der Studie.

Der Befragung von 1166 deutschen Unternehmen zufolge hat fast jede zweite deutsche Firma in den vergangenen zwei Jahren Schäden durch Unterschlagung, Korruption oder andere kriminelle Taten verzeichnen müssen. Deutlich zugenommen haben der Studie zufolge Fälle von Produktpiraterie und Industriespionage: Der Anteil der Betroffenen sei von 13 Prozent in den Jahren 2003 und 2004 auf 18 Prozent in den vergangenen beiden Jahren gestiegen. Ein Drittel der befragten Unternehmen berichteten von Unterschlagungen und Betrug in diesem Zeitraum, rund zehn Prozent von Schäden durch Korruption.

Fast jede zweite Straftat wird der Studie zufolge von den eigenen Mitarbeitern begangen. Die übrigen Täter stehen in der Regel als Kunden, Lieferanten oder Geschäftspartner im Kontakt mit dem betroffenen Unternehmen. Der typische Wirtschaftskriminelle in Deutschland ist demnach ein Mann (87 Prozent) zwischen 30 und 50 Jahre alt (79 Prozent) und seit mehr als sechs Jahren in der Firma beschäftigt (57 Prozent). Knapp ein Drittel der Täter ist länger als zehn Jahre angestellt gewesen.

Deutsche Unternehmen zu sorglos

Nach Ländern ist das Kriminalitätsrisiko besonders hoch in China, Russland, Indien, Indonesien, Brasilien, Mexiko und der Türkei. In diesen Schwellenländern sei der Schaden je Delikt dreimal größer als im weltweiten Vergleich, erklärte Steffen Salvenmoser von PwC: Die Schäden beliefen sich inklusive der Managementkosten zur Schadensregulierung auf nahezu 4,4 Millionen Euro je Unternehmen, in den übrigen Ländern durchschnittlich auf 1,6 Millionen Euro.

Dennoch seien deutsche Unternehmen in diesen Ländern immer noch viel zu sorglos. Bei geplanten Investitionen in China etwa beschäftigten sich nur 31 Prozent der deutschen Firmen mit dem Kriminalitätsrisiko dort, aber 48 Prozent der Investoren aus anderen Ländern, wie die Befragung von weltweit 5428 Unternehmen ergab. Die Folge: Deutsche Unternehmen erlitten im Durchschnitt einen Schaden von 3,66 Millionen Euro durch Wirtschaftskriminalität in China, Firmen aus anderen Ländern durchschnittlich 1,33 Millionen Euro. Trotzdem gaben nur 39 Prozent der deutschen Firmen an, sie hätten ihre Kontrollmaßnahmen in China in den vergangenen zwei Jahren verstärkt, aber 53 Prozent der anderen ausländischen Unternehmen. (mit AFP)

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