Studie zu ICE-Strecke : Wieder Ärger für die Bahn

Der Bau der ICE-Strecke Berlin–Leipzig–München ist Unsinn, sagt eine Studie des Umweltbundesamtes. Die Bahn widerspricht und baut fleißig weiter durch den Thüringer Wald.

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Beton für die Bahn. An Tunneln und Brücken wie an der Ilmenautalbrücke im Thüringer Wald wird weitergearbeitet. 2017 sollen die ersten Züge fahren.
Beton für die Bahn. An Tunneln und Brücken wie an der Ilmenautalbrücke im Thüringer Wald wird weitergearbeitet. 2017 sollen die...Foto: dpa

Berlin - Es wird weiter gebaut. 25 bis 30 Meter schiebt sich die Ilmtalbrücke bei Langewiesen im Thüringer Wald Woche für Woche über das Tal. Mit 1681 Metern wird sie die längste Brücke der Neubaustrecke für die Bahn zwischen Erfurt und Ebensfeld werden, dem Herzstück der künftigen Hauptverbindung Berlin–München. Im nächsten Jahr soll die Brücke fertig sein. Die Bahn will wie geplant im Dezember 2017 die ersten Züge über den Neubauabschnitt schicken. Allerdings hatte eine Studie des Umweltbundesamtes die Trasse als konzeptionell falsch bezeichnet, da sie dem zunehmenden Güterverkehr nur wenig nutze.

Dem widerspricht die Bahn. Durch die 22 Tunnel und über die 20 Talbrücken der 107 Kilometer langen Neubaustrecke durch den Thüringer Wald sollen nachts auch Güterzüge rollen, sagte der Konzernbevollmächtigte für Berlin, Ingulf Leuschel, dieser Zeitung. Sogenannten Mischbetrieb mit ICE-Zügen im Personenverkehr am Tag und Güterzügen vorwiegend in der Nacht gebe es auf fast allen Neubaustrecken. Lediglich die Verbindung Frankfurt am Main–Köln ist wegen der starken Steigungen nur für Schnellzüge zugelassen.

Die Strecke Berlin–München gehört als Verbindung Berlin–Palermo zu den von der Europäischen Union festgelegten Transeuropäischen Netzen. In Deutschland gehört die Stecke zu den 1991 beschlossenen Verkehrsprojekten Deutsche Einheit.

Der Abschnitt zwischen Berlin und Nürnberg ist mit Kosten von insgesamt zehn Milliarden Euro veranschlagt; die Hälfte davon ist der Bahn zufolge bereits ausgegeben. In Bayern ist zwischen Nürnberg und Ingolstadt eine neue Strecke seit Dezember 2006 in Betrieb. Rund 3,6 Milliarden Euro sind dort investiert worden. Auch die Ausbaustrecke Berlin–Leipzig ist fertig; der Neubauabschnitt Leipzig/Halle soll 2015 in Betrieb gehen.

Die damalige rot-grüne Bundesregierung hatte die Arbeiten angesichts der Kosten 1999 weitgehend einstellen lassen. Die fast parallel verlaufende Autobahn wurde dagegen fertig gebaut. Seit 2006 werden wieder jährlich rund 500 Millionen Euro in den Bahnbau gesteckt.

Eine im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) erstellte Studie durch das Berliner Planungsbüro KCW hatte vorgeschlagen, auf Neubauvorhaben zu verzichten und stattdessen schnell Engpässe im vorhandenen Netz zu beseitigen, um Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagern zu können. Die Transportmenge der Bahn soll sich bis zum Jahr 2025 gegenüber heute verdoppeln.

Einen Stopp der Neubauvorhaben empfiehlt UBA-Präsident Jochen Flasbarth jedoch nicht. Die von KCW ermittelten Kosten für Investitionen im bestehenden Netz in Höhe von elf Milliarden Euro könnten durch eine höhere Maut für Lastwagen oder durch ein Umschichten von Mitteln vom Straßenneubau zur Schiene aufgebracht werden, schlägt er vor.

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