Studienkredite : Lernen auf Pump

Viele Studenten nehmen einen Kredit auf. Welcher Kredit eignet sich für wen? Und worauf sollten künftige Studenten achten?

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Studenten der Wirtschaftswissenschaften in einer Vorlesung an der Universität Leipzig
Studenten der Wirtschaftswissenschaften in einer Vorlesung an der Universität LeipzigFoto: dpa

Studieren ist nicht billig. Zwischen 570 und 1100 Euro braucht ein Student im Monat, stellt das deutsche Studentenwerk in seiner jüngsten Sozialerhebung fest. Abhängig ist die Summe vor allem von den Mietkosten am Wohnort, den Ausgaben für Lernmaterialien oder den Krankenversicherungskosten. In Städten mit hohen Mieten kann es auch noch deutlich mehr sein. Bis zum Master, also nach mindestens fünf Jahren (3 von 5 Studenten brauchen länger), zehrt ein Studium also eine Summe zwischen 34.200 und 66.000 Euro auf – Extras wie Auslandsaufenthalte oder hohe Kosten für Lehrmaterial noch gar nicht mitgerechnet. Das will finanziert sein.

WIE MAN DAS STUDIUM FINANZIERT

87 Prozent aller Studenten erhalten Geld von den Eltern. Tun sich die Eltern schwer mit der Finanzierung, kommt erst einmal Bafög in Betracht. Zwar werden die Einkommensfreibeträge ab dem Wintersemester 2016/17 angehoben. Dennoch bleiben die Zugangshürden kompliziert – und hoch. 2014 erhielten 640700 von etwa 2,6 Millionen Studenten Bafög – nur die Hälfte von ihnen bekam den Höchstsatz von derzeit 670 Euro. Ab dem Wintersemester 2016/17 steigt die Förderung, die zur Hälfte als Darlehen und zur Hälfte als Zuschuss gewährt wird, auf maximal 735 Euro.

Wer zu wenig erhält oder seine Eltern nicht überfordern möchte, muss neben dem Studium jobben, ein Stipendium ergattern oder auch auf einen Studentenkredit ausweichen. Fünf Prozent aller Studenten wählen diese Finanzierung, allein 2014 wurden 60.000 neue Verträge abgeschlossen.

WELCHE KREDITE ES GIBT

Grundsätzlich kann ein Student zwischen zwei Kreditformen wählen: einem Studienkredit einer öffentlichen Institution beziehungsweise Sparkasse oder einer privaten Bank einerseits – und einem Bildungsfonds andererseits. Die große Mehrheit wählt die erste Variante. Alle Kredite funktionieren dabei nach einem ähnlichen Muster: Der Student erhält eine monatliche Summe, die gelegentlich flexibel ist. Die Zugangshürden sind meist niedrig. Außer einer Schufa-Prüfung wird nur manchmal der Abschluss einer Risikolebensversicherung verlangt. Das Einkommen der Eltern spielt keine Rolle. Ist das Studium beendet, beginnt, oft mit einer Verzögerung, die Rückzahlung. Meist stehen die Zinsen für die oft langjährige Tilgung zu Vertragsbeginn noch nicht fest, sodass der Student nicht weiß, welche Summe er später von seinem Gehalt abzweigen muss. Allerdings ist die Tilgung dafür dann auf zwei bis zehn Prozent vom Gehalt gedeckelt. Einzelne Anbieter legen den Zinssatz für die Rückzahlungsphase bereits zu Beginn konkret fest. Dies bezahlt der Student mit einem entsprechend höheren Zinssatz, etwa beim Bildungsfonds der Deutschen Kreditbank (DKB) mit 6,49 Prozent. Die meisten Anbieter gewähren ihre Kredite nicht nur Deutschen, sondern allen EU-Staatsbürgern. Einzelne Angebote wie der Studienabschlusskredit des Bundesverwaltungsamts sind auch für Studierende aus Nicht-EU-Ländern offen, sofern ihr Aufenthaltsstatus klar ist.

WELCHE KREDITE SICH LOHNEN

Ganz vorne in der Gunst der Studenten stehen vor allem die Studentenkredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und des Bundesverwaltungsamts. Nach dem Studienkredit-Test des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), einer gemeinsamen Denkfabrik der Bertelsmann-Stiftung und der Stiftung zur Förderung der Hochschulrektoren-Konferenz, könnte dies gelegentlich ein Fehler sein. Denn im Test von 31 Studienkrediten landete das Angebot der KfW nicht im Spitzenfeld. Die Prüfer bemängelten vor allem, dass Auslandssemester nur dann finanziert werden, wenn der Student in Deutschland immatrikuliert bleibt. Wer zum Master nach Paris, Wien oder Madrid will, bekommt den Kredit also nicht. Zudem trägt der Student bei der KfW ein erhebliches Zinsrisiko: Für die Auszahlungsphase ist der Zins variabel, kann von derzeit 3,91 Prozent effektiv bis auf 9,75 Prozent steigen.

Die Prüfer des CHE klopften alle 31 Kreditangebote vor allem auf fünf Kriterien ab: Zugang (Wie leicht ist der Kredit erhältlich?), Kapazität (Ist eine ausreichend lange und passende Finanzierung möglich?), Kosten, Risikobegrenzung (Was passiert bei Zinsanstieg oder Arbeitslosigkeit in der Rückzahlungsphase?) und Flexibilität (Ist zum Beispiel ein Studienwechsel möglich?). Das Ergebnis ist allerdings ernüchternd: Den einen besten Studienkredit gibt es nicht. „Jedes Angebot hat für spezifische Zielgruppen unterschiedliche Vor- und Nachteile“, sagt der Autor der Studie, Ulrich Müller.

Immerhin: Einige Kredite erzielten in vier der fünf geprüften Kriterien Spitzenergebnisse, darunter die Produkte von CareerConcept, des Bundesverwaltungsamtes, der Deutsche Bildung, der deutschen Apotheker- und Ärztebank sowie das Studienabschlussdarlehen der Studentischen Darlehenskasse Berlin. Das bei Studenten sehr beliebte KfW-Produkt sahen die Prüfer nur bei zwei von fünf Kriterien im Spitzenfeld.

WIE EIN BILDUNGSFONDS FUNKTIONIERT

Ein völlig anderes Kreditmodell bieten Bildungsfonds. Hier stammt das Geld nicht direkt von einer Bank, einer Stiftung oder einer öffentlichen Institution, sondern von Anlegern. Die Fonds bündeln ihre Gelder und verleihen sie an Studenten weiter. Die von den Studenten bezahlten Zinsen gehen als eine Art umgekehrter Generationenvertrag als Renditen an die Anleger. Zu den Anbietern gehören etwa CareerConcept oder die Deutsche Bildung. Die Studenten werden aufgrund von Motivationsschreiben und Gesprächen ausgewählt, die Konditionen sind häufig flexibel, Auslandsstudien und selbst teure Zusatzausbildungen wie der Master werden finanziert. Häufig muss der flotte Studienverlauf jedoch nachgewiesen werden.

Weil direkt Geld von Anlegern ausgeschüttet wird, fällt in der Studienphase kein Zins an. Ist das Studium geschafft und damit der Kredit ausgezahlt, müssen ihn die neuen Akademiker dann mit einem fixen Prozentsatz ihres Gehalts tilgen, allerdings gilt meist eine Untergrenze von 1500 bis 2500 Euro. Bei langer Arbeitslosigkeit erlischt die Rückzahlungspflicht oft sogar komplett.

WAS STUDENTEN SICH FRAGEN SOLLTEN

Ulrich Müller vom CHE rät Studenten, die mit einem Studentenkredit liebäugeln, zunächst vor allem realistisch den finanziellen Bedarf zu kalkulieren. Dabei gelte die Regel: „ So wenig Kredit aufnehmen wie möglich, aber immer so viel, wie für ein reibungsloses Studium erforderlich.“ Wichtig sei es dann, die Angebote zu vergleichen und auf den eigenen Bedarf hin abzuklopfen: Wer beispielsweise länger ins Ausland will, hat zwar einen flexibleren Kredit, muss aber meist etwas höhere Zinsen zahlen. Umgekehrt sind niedrigere Zinsen dann häufig ein Hinweis auf geringe Flexibilität des Kredits. Geklärt werden sollte auch, was im Falle eines Studienabbruchs passiert und ob der Kredit dann sofort fällig ist.

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