Wirtschaft : Studio Babelsberg will 1999 Gewinn machen

POTSDAM (dri/HB). Die Berliner Mauer mit dem Grenzübergang Checkpoint Charlie kommt bei den Besuchern besonders gut an. Trotzdem weiß Friedrich-Carl Wachs, Geschäftsführer der MHB Medienstadt Holding GmbH Babelsberg, nicht so recht, was die Filmstudios Babelsberg mit der betonhart aussehenden Kulisse aus Styropur noch anfangen sollen; jetzt, wo sich der Film "Sonnenallee" über die tanzwütige Jugend in der DDR bereits in der "Postproduktion" (Nachbearbeitung) befindet.

Denn weitervermarkten will Wachs nicht die Mauer, sondern die dahinterliegende "Berliner Straße": eine aus Stahl und Steinen gefertigte Filmstadt, die je nach Bedarf zur Champs Elysée oder zu einem Londoner Geschäftsviertel umgeschminkt werden könnte. Doch bisher stoßen die 26 Hausfassaden bei Kinofilmproduzenten auf mäßiges Interesse. Doch von dieser Hoffnung kann der Standort, auf dem heute wieder 368 feste Mitarbeiter beschäftigt sind, nicht leben. "Das Brot-und-Buttergeschäft ist das Fernsehen", sagt Wachs pragmatisch und nennt Zahlen: Die deutschen TV-Sender hätten 1998 gemeinsam 3,2 Mrd. DM für Produktionen ausgegeben. Die Filmförderung, aus der hierzulande Kinofilme zum Großteil finanziert werden, habe lediglich 350 Mill. DM betragen.

Auf der ersten Bilanzpressekonferenz der Dachgesellschaft Medienstadt Holding Babelsberg nennt er einen Umsatz von 78 Mill. DM für 1998 (plus 39 Prozent). Der Verlust sei von 7,1 Mill. DM auf 1,8 Mill. DM zurückgefahren worden. Für 1999 soll sich die Muttergesellschaft Vivendi bei einem Umsatz von "mindestens 100 Mill. DM" über schwarze Zahlen freuen dürfen.

Gut sichtbar sind die Investitionen von 750 Mill. DM in Hallen, Studiotechnik und Bürogebäude wie das Fx-Center, dessen Infrastruktur für digitale Bild- und Tonbearbeitung allerdings noch auf Nutzer wartet. Einschließlich der 120 neu angesiedelten Unternehmen sind in Babelsberg heute wieder 3000 Menschen beschäftigt, 500 mehr als zu Defa-Zeiten.

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