Wirtschaft : Stumpfe erwartet 70 000 neue Metall-Arbeitsplätze

Arbeitgeber: 15 bis 20 Mrd.DM Investitionen im Osten nötig LEIPZIG (cmk/HB/dpa).Auf längere Sicht wäre es ein großer Erfolg, wenn in der ostdeutschen Metall- und Elektro-Industrie zwischen 50 000 und 70 000 neue Arbeitsplätze geschaffen würden.Das sagte der Präsident Gesamtmetall Werner Stumpfe auf einer Tagung der M + E-Industrieverbände Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt in Leipzig, auf der sich die Verbände zum Verband Ostmetall zusammenschlossen.Stumpfe, der vor überzogenen Prognosen warnte, hält ein solches Ziel für ehrgeizig, aber erreichbar.Bei einer Investition von 300 000 DM pro Arbeitsplatz sei dafür ein Kapital von 15 bis 20 Mrd.DM nötig.Diesen Investitionen seien jenen, die zur Erhaltung des Kapitalstocks notwendig seien, noch hinzuzurechnen.Aus sich heraus könne das die ostdeutsche Metall- und Elektro-Industrie jedoch kaum schaffen.1997 habe sie mit 6 Mrd.DM fast 12 Prozent des Umsatzes in Erhalt, Modernisierung und Kapazitätsausbau investiert.Wenn es gelinge, diese Investitionsquote zu halten und die Hälfte der eingesetzten Mittel in die Schaffung von Arbeitsplätzen zu stecken, könnten jährlich fast 10 000 neue Stellen geschaffen werden, sagte Stumpfe.Voraussetzung sei auch, daß ein jährliches Produktionswachstum von 10 Prozent erreicht würde.Die dafür notwendige Kondition der Betriebe dürfe von der Tarifpolitik nicht geschwächt werden.Jede übereilte Aktion, die auf eine volle Westanpassung bei Entgelt und Arbeitszeit ziele, sei unverantwortlich, warnte Stumpfe.Die Gewerkschaften wüßten über die Zusammenhänge genausogut Bescheid wie die Arbeitgeber.Nach 13,5 Prozent Produktionsplus im Jahr 1997 rechnet die ostdeutsche M + E-Industrie auch für das laufende Jahr mit einem zweistelligen Wachstum.Anders als in Westdeutschland seien noch genügend Kapazitätsreserven vorhanden, sagte Stumpfe.Das werde sicher einige interessante Aufträge von West nach Ost umleiten.Es sei aber wichtig, den Wettbewerbsvorteil der Lieferfähigkeit auch mittelfristig durch die Beibehaltung der derzeitigen Wochenarbeitszeit (38 Stunden) zu sichern.Von 1991 bis 1997 habe sich die Produktivität der ostdeutschen M + E-Industrie verdreifacht.Dennoch unterstrich Stumpfe, die neuen Länder seien der teuerste Standort der Welt.Nirgendwo seien die Lohnstückkosten so hoch wie hier.Ursächlich für das von der Statistik ausgewiesene Wachstum seien Vorzeigeunternehmen wie die Automobilwerke in Eisenach und Mosel, die Spitzenelektronik aus Dresden oder die neue Werft in Warnemünde.In diese Betriebe seien eine Mrd.DM und mehr je Arbeitsplatz investiert worden.Der Mittelstand verfüge nicht über derartiges Kapital und könne daher ihre Arbeitsproduktivität nur bescheiden steigern.Der neugeschaffene Arbeitgeberverband Ostmetall warnte die Gewerkschaften vor Streiks.Verbandspräsident Manfred Kreutel drohte mit einem Ende des Flächentarifvertrages, falls Tarifforderungen mit Streiks durchgesetzt werden sollten.Der Verband war - wie berichtet - am Dienstag in Leipzig gegründet worden.Ihm gehören die Metallarbeitgeber von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen an.Ostmetall vertritt rund 400 Mitgliedsunternehmen mit etwa 80 000 Arbeitnehmern.Das sind ein Drittel der Firmen und etwa die Hälfte der Beschäftigten der Branche in diesen drei Ländern."Wir bekennen uns ausdrücklich zur föderativen Struktur von Gesamtmetall und sehen uns als ein Teil von ihr, wie das zum Beispiel unsere Partnerverbände Nordmetall oder Südwestmetall sind", sagte Kreutel.Ostmetall lehnt vor allem die von der IG Metall geforderte 35-Stunden-Woche ab.

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