Wirtschaft : Stunde der Wahrheit für die IT-Industrie

Die Hoffnung der Anleger ist groß – jetzt müssen die neuen Quartalszahlen den Optimismus rechtfertigen

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München/New York (jojo/HB/pf). Der ITIndustrie steht die erste Bewährungsprobe des neuen Jahres bevor: Wenn die großen Konzerne in den nächsten Tagen ihre Zahlen für das abgelaufene Quartal präsentieren, wird sich zeigen, ob die starken Kursgewinne der Technologieaktien in den vergangenen Monaten wirklich gerechtfertigt waren. Die meisten Unternehmen haben bereits vor Weihnachten steigende Umsätze für das vierte Quartal 2003 angekündigt. So teilten die Chiphersteller Intel und Texas Instruments mit, die Einnahmen würden am oberen Rand der Erwartungen liegen.

Diese Aussagen wurden vor kurzem vom amerikanischen Halbleiter-Branchenverband Sia gestützt. Laut Sia ist der Chipverkauf im November weltweit gegenüber dem Vorjahr um mehr als ein Viertel geklettert. Dies deutet auf gute Geschäfte der wichtigsten Abnehmer von Halbleitern hin, den Computerbauern und Mobilfunk-Produzenten. PC-Weltmarkführer Dell unterstrich zudem, das Weihnachtsgeschäft sei ausgezeichnet gelaufen. Auch Carleton Fiorina, Chefin des Computerherstellers Hewlett-Packard (HP), betonte jüngst, die Firma sei „klar im Plan“.

Als eines der ersten Hightech-Unternehmen wird Intel, der weltgrößte Chipproduzent, Mitte dieser Woche seine Quartalszahlen vorlegen. Die Kalifornier müssen allerdings eine Abschreibung von 600 Millionen Dollar auf ihr schwaches Mobilfunkgeschäft verdauen. In der Woche darauf folgen dann unter anderem die Ergebnisse der Halbleiterkonzerne Infineon und Motorola sowie des führenden Softwareherstellers Microsoft.

Trotz deutlich besserer Zahlen als vor Jahresfrist bleiben die Firmenchefs aber zurückhaltend in ihren Prognosen. „Es gibt einen Aufschwung, aber er ist nicht dramatisch“, sagte jüngst Larry Ellison, Chef des amerikanischen Softwarehauses Oracle. Auch der IT-Riese IBM zeigte sich reserviert. „Die Unternehmen gehen bei IT-Investitionen wieder mehr Risiken ein“, sagte Finanzvorstand John Joyce. Wann die Erholung auf breiter Front einsetze, sei aber noch offen. Langfristig werde der Gewinn pro Aktie aber jedes Jahr um mehr als zehn Prozent steigen, versprach Joyce. HP geht noch einen Schritt weiter und prognostizierte von 2004 an sogar ein jährliches Plus von mehr als 20 Prozent. Im Vergleich zur Entwicklung an der Börse ist das wenig: Die HP-Aktie kletterte seit vergangenem Frühjahr um rund 60 Prozent.

Und damit war HP in guter Gesellschaft. Bei Börsenwerten von jeweils mehr als 25 Milliarden Dollar lagen die amerikanischen Hightech-Unternehmen Yahoo Inc, Nextel Communications Inc und Intel Corp im vergangenen Jahr an der Spitze der Gewinner an der New Yorker Wall Street. Und sieben der zehn größten am Börsenwert gemessenen Unternehmen sind in den Branchen Internet, Computer und Telekom tätig. Das geht aus einer Zusammenstellung der Agentur Bloomberg News hervor. Der Website-Betreiber Yahoo schaffte mit einem Kurszuwachs von 175 Prozent sein erstes Jahresplus seit 1999. Die Aktien von Intel legten 106 Prozent zu. Dies war der steilste Zuwachs seit sieben Jahren. Und die Aktien von Mobilfunkunternehmen wurden ebenfalls wesentlich teurer. Nextel-Papiere etwa stiegen um 143 Prozent. Zwar notieren viele dieser Aktien noch deutlich unter ihren Allzeithochs, sie signalisieren jedoch fast vier Jahre nach dem Platzen der Börsenblase erneute Anlegerzuversicht in die zukünftige Entwicklung der Technologiefirmen. Nach einer Erhebung der Marktforschungsgesellschaft IDC werden Investitionen für Computerausrüstungen in 2004 weltweit um bis zu acht Prozent steigen – nach weniger als einem Prozent Zuwachs im zurückliegenden Jahr.

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