Wirtschaft : Suche nach Sicherheit

Die Schuldenkrise eskaliert: Wie und wo Anleger ihr Geld retten

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Kein Vertrauen. Nicht nur die Teilnehmer der „Occupy“-Demonstrationen haben nur noch Hohn und Spott für die Repräsentanten des Finanzsystems übrig – auch viele Privatanleger und Sparer sorgen sich, dass ihre Ersparnisse verbrannt werden. Foto: dapd
Kein Vertrauen. Nicht nur die Teilnehmer der „Occupy“-Demonstrationen haben nur noch Hohn und Spott für die Repräsentanten des...Foto: dapd

Blauer Himmel, klares Wasser, Sonne satt. Griechenland bietet, was gestresste Nordeuropäer brauchen. Auch Anleger, die nach den Kapriolen der Schuldenkrise reif für die Insel sind, werden in der Ägäis fündig: Für 1,2 Millionen Euro wird gerade im Golf von Korinth die St.-Athanasios-Insel zum Kauf angeboten. „Die See ist kristallklar und reich an Fischen“, preist der Vermarkter Vladi Private Island das 10 800 Quadratmeter große Eiland an. „Hier wäre ein idealer Bauplatz für eine private Villa.“ Für Investoren, die noch tiefer in die Tasche greifen können, hat Vladi auch größere griechische Inseln im Angebot.

Kleinanleger dürften nicht nur wegen mangelnder finanzieller Ressourcen von Griechenland inzwischen nichts mehr hören wollen. Ob Aktien, Anleihen, Immobilien oder Gold – 2011 war für fast alle Anlageklassen ein nervenaufreibendes Jahr. Der Dax ist von seinem Jahreshoch bei gut 7500 Punkten abgestürzt – am Mittwoch lag er zuletzt bei 5900 Punkten. Der unsicher gewordene Hafen Gold hat seit dem Rekord bei 1900 Dollar rund neun Prozent verloren. Bundesanleihen rentieren aktuell bei nur noch rund 1,9 Prozent – bei einer Laufzeit von zehn Jahren. Und das „Betongold“ Immobilie erweist sich für einige Anleger ebenfalls als brüchiges Investment: Eine Reihe offener Immobilienfonds ist seit der ersten Finanzkrise geschlossen und steht nun vor der Abwicklung. Wohin man mit seinem Geld auch will – unsicher scheint fast alles zu sein. Nun, da die Schuldenkrise zu eskalieren droht, weil ein Referendum in Griechenland alle EU-Gipfel-Kompromisse über den Haufen werfen könnte, fragen sich Kleinanleger mehr denn je, wie und wo ihre Ersparnisse gut angelegt sind.

EINFACH UND MAGER

Ein Zinssatz von 2,7 Prozent für täglich verfügbare Spareinlagen ist nicht die Welt, wenn die Teuerungsrate bei 2,6 Prozent liegt. Aber sicher ist sicher – und verbrannt ist das Geld auf einem Tagesgeldkonto auch nicht, solange die Inflation nicht weiter steigt. Die Bank of Scotland bietet Neukunden aktuell 2,7 Prozent auf Tagesgeld, das sowohl der gesetzlichen Einlagensicherung als auch dem Sicherungsfonds des deutschen Bankgewerbes unterliegt. 2,6 Prozent sind es – bei gleicher Absicherung – bei Cortal Consors, jeweils 2,5 Prozent bei der DAB oder der Santander Bank. Zum Vergleich: Wer sein Geld dem deutschen Staat für zehn Jahre überlässt, bekam für eine Bundesanleihe zuletzt nur noch 1,85 Prozent pro Jahr. Weil Anleger auf der Suche nach Sicherheit in der Krise massenhaft in deutsche Staatspapiere investiert haben, sind die Kurse zuletzt kräftig gestiegen – gegenläufig zu den sinkenden Renditen. Die Weberbank warnt aber vor einer „Rückschlagsgefahr“, sollte sich die Krise wider Erwarten doch entschärfen und Bundesanleihen an Attraktivität verlieren. Die Bank empfiehlt stattdessen deutsche Pfandbriefe. „Diese haben sich bisher schlechter als deutsche Staatsanleihen entwickelt und bieten durchaus Aufholpotenzial.“

PREISWERT UND RISKANT

Beim Blick auf die Aktienkurse einiger deutscher Dax-Konzerne könnte man ebenfalls von großem Nachholbedarf sprechen – wenn die politische Großwetterlage nicht wäre. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) aller 30 Dax-Werte liegt mit Blick auf die für 2012 erwarteten Unternehmensergebnisse bei 9,3 – ein Indiz für eine außergewöhnlich niedrige Bewertung, denn der langjährige KGV- Durchschnitt liegt im Dax bei 15. Zusätzlich attraktiv sehen Dax-Aktien aus, weil sie für 2012 mit einer Dividendenrendite von 4,0 Prozent locken. Dennoch warnen viele Experten davor, einfach auf den Dax zu setzen, etwa über einen Indexfonds. Die DZ Bank etwa rät „trotz der günstigen Bewertung der Aktienmärkte nicht zu Aufstockungen in breitem Maße“, sondern bevorzugt „ausgesuchte Substanzwerte und defensive Sektoren wie beispielsweise Versorger und Healthcare“, die im Falle einer Rezession besser geschützt seien als zyklische, konjunktursensible Unternehmen. Auch Großanleger wie der für seinen Pessimismus bekannte Fondsmanager Marc Faber („Dr. Doom“) raten zur Vorsicht. Von Staatsanleihen hält er derzeit nichts, Aktien seien jedoch auch keine verlässliche Anlageklasse. Die Kurse könnten noch etwas zulegen, sagt Faber – bevor der nächste Einbruch folge. Seine Strategie: Fallen die Börsen um 20 Prozent, bekommen Aktien in Fabers Depot ein Übergewicht, steigen die Aktienkurse hingegen um 15 Prozent, verkauft er einen Teil. Privaten Anlegern empfiehlt der Fondsmanager: 25 Prozent Bargeld und Unternehmensanleihen, 25 Prozent Aktien, 25 Prozent Immobilien und 25 Prozent Edelmetalle. Christian Wrede, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Fidelity in Deutschland gibt folgenden Rat: „Anleger sollten künftig verstärkt auf gut geführte Unternehmen mit hohen Ratings setzen statt auf Staatsanleihen zweifelhafter Qualität und mit Renditen, die kaum die Inflation ausgleichen.“

WERTVOLL UND SCHWANKEND

Ein wenig hilflos wirken all jene Analysten, die sich mit den Perspektiven des Goldpreises auseinandersetzen. Von seinem Tiefpreis Ende September (1588 Dollar) konnte sich das Edelmetall zwar erholen – am Mittwoch kostete die Feinunze 1740 Dollar. Doch ein sicherer Hafen ist Gold nicht mehr, der scheinbare Automatismus stetig steigender Notierungen ist seit Ende August widerlegt. Das Edelmetall sei „fürs Erste nur noch ein Rohstoff von vielen“, glaubt die Saxo Bank. Und dennoch hat Gold immer noch eine enorme Anziehungskraft: Etwa 40 Prozent des gesamten Goldbesitzes der deutschen Bevölkerung, im Wert von 70 Milliarden Euro, stammen aus den letzten drei Jahren. Das ergibt eine aktuelle Studie der Steinbeis-Hochschule Berlin. Die Hälfte des gesamten Goldbesitzes hätten die Deutschen dabei selbst erworben, der Rest seien Erbschaften und Geschenke. Schwanken die Preise auch kurzfristig, so ist Gold langfristig doch wertvoller geworden – allein 2011 um mehr als 20 Prozent.

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