Wirtschaft : Sucht die IG Metall den dritten Mann?

Personal- und Richtungsstreit eskalieren. Auch der Rücktritt von Klaus Zwickel wird ins Spiel gebracht

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Berlin (alf/uwe). Personaldebatte und Richtungsstreit in der IG Metall nehmen sonderbare Züge an: Am Freitag kursierten Spekulationen, wonach für den Führungsposten der Gewerkschaft nun ein dritter Mann gesucht werde. Zur Begründung hieß es, dass der bisherige Kandidat für die Nachfolge des jetzigen Gewerkschaftsvorsitzenden Klaus Zwickel, der Zweite Vorsitzende Jürgen Peters, nach dem verlorenen Arbeitskampf im Osten kaum noch in Frage komme. Der Favorit Zwickels, der Stuttgarter Bezirksleiter Berthold Huber, werde von der PetersFraktion entschiedener abgelehnt denn je. Deshalb werde ein Kompromisskandidat gesucht, der wenigstens für eine Übergangszeit das Ruder übernehmen könne.

Im Gespräch waren der frühere Bezirksleiter der Gewerkschaft in Nordrhein-Westfalen, der heutige Arbeits- und Wirtschaftsminister Harald Schartau, sowie der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von BMW, Manfred Schoch. Bereits vor einigen Tagen war der IG-Metall-Chef des Bezirks Küste, Frank Teichmüller, gehandelt worden. Während Teichmüller und Schartau umgehend dementierten, war von Schoch am Freitag keine Stellungnahme zu bekommen.

Am kommenden Dienstag wird sich der 41 Personen umfassende Vorstand der IG Metall mit den Personalfragen beschäftigen, die sich nach dem verlorenen Streik um die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland ergeben haben. Erwartet wird, dass Zwickel seinen Vize Peters offiziell zum Rücktritt auffordern wird. Peters lehnt das ab: Er will nur ein Votum des Gewerkschaftstags akzeptieren. Peters ist im Vorstand der Gewerkschaft für die Tarifpolitik verantwortlich. „Jeder weiß, dass ich nicht der Kandidat des Kollegen Zwickel war, dass er immer versucht hat, mich zu verhindern“, sagte Peters am Freitag in der ARD.

Der ostdeutsche Bezirksleiter und Streikführer Hasso Düvel sagte der „Berliner Zeitung“, er wolle nur dem „Souverän in der IG Metall“ Rechenschaft ablegen. Im Gegensatz zu Peters könnte der Vorstand Düvel allerdings auch schlicht in den Ruhestand versetzen: Düvel hat kein Wahlamt, sondern ist als Bezirksleiter Angestellter des Vorstands, also allein diesem rechenschaftspflichtig.

Unterdessen gab es auch am Freitag wieder Stimmen aus den unterschiedlichen Lagern. Auf der Seite von Peters äußerten sich die Vertreter seines Heimatbezirks Niedersachsen. Bezirksleiter Hartmut Meine sagte, in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gebe es eine „einmütige“ Haltung dafür, „dass Jürgen Peters 1. Vorsitzender der IG Metall werden soll“. VW-Betriebsratschef Klaus Volkert äußerte sich ähnlich. Ferner forderte Volkert den Peters-Konkurrenten Berthold Huber auf, Stellung zu beziehen. „Wenn sich Huber jetzt äußern würde, dass er zu dem Beschluss des Vorstandes steht, dann hätten wir die Situation ein bisschen entschärft“, sagte Volkert im NDR. Damit spielt er an auf den Vorstandsbeschluss vom 9. April: damals waren Peters für den Chef- und Huber für den Stellvertreterposten nominiert worden. Volkert schlug ferner vor, dass sich der gesamte Vorstand der Verantwortung stellen sollte.

Das Vorstandsmitglied der IG Metall, Helmut Lense, forderte Peters zum Rücktritt auf. Er erwarte, dass Peters „in Verantwortung der Organisation gegenüber die persönlichen Konsequenzen zieht, um die Organisation vor weiterem Schaden zu bewahren“, sagte der Daimler-Chrysler-Betriebsrat in der ARD.

Sollte Zwickels Forderung nach einem Rücktritt von Peters scheitern, schließt Zwickel offenbar inzwischen auch seinen eigenen Rücktritt nicht mehr aus. IG-Metall-intern wird der Vorschlag gehandelt, dass am kommenden Dienstag beide zurücktreten. Das sei die einzige Chance, dass auch Peters seinen Stuhl räumen werde, sagen Metaller. Als Option wird mittlerweile wohl auch gehandelt, dass alle Reformkräfte des Vorstands ihr Mandat niederlegen – selbst auf die Gefahr hin, dass die Peters-Leute bleiben.

Dass der Gewerkschaftstag vorgezogen wird, ist dagegen unwahrscheinlicher. Die Vorbereitungsarbeit sei nicht zu bewältigen, heißt es. Schon gar nicht, wenn sie von einem Interimsvorstand erledigt werden müsse. Eigentlich wollte sich der Vorstand von Dienstag an vier Tage mit der Vorbereitung des Gewerkschaftstages beschäftigen, der im Oktober in Hannover stattfindet. Nun steht die Führungskrise im Mittelpunkt des Treffens.

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