Wirtschaft : Südafrika muss immer tiefer bohren

Wolfgang Drechsler

Kapstadt - Eine Hiobsbotschaft aus Südafrika hat den Goldpreis zuletzt auf neue Höchststände katapultiert: Ein akuter, vermutlich aber langfristiger Strommangel lähmt seit Tagen die großen Minen des Landes. Vor allem in den Goldbergwerken kam es zu einem abrupten und totalen Produktionsstopp. Die Minenbetreiber konnten bis zum Wochenende kaum neues Gold fördern. Die meisten rechnen nun damit, dass ihre Produktion im ersten Quartal um bis zu 25 Prozent fallen wird. Allein Gold Fields, dem weltweit viertgrößten Goldförderer, drohen nach Angaben seines Sprechers Willie Jacobsz Verluste von mehr als einer Milliarde Rand (100 Millionen Euro).

Die Ursache für den Produktionsstopp liegt in der mangelnden Vorausplanung des staatlich gemanagten Stromkonzerns Eskom. Jahrelang hat das Unternehmen keine neuen Kraftwerke gebaut und ist nun nicht mehr in der Lage, genügend Elektrizität für Südafrika zu erzeugen. Die ganze Wucht der Krise bekommen dabei die energiehungrigen Minenfirmen zu spüren, die 15 Prozent des von Eskom generierten Stroms verbrauchen.

Zwar ist die Stromzufuhr inzwischen zum Teil wiederhergestellt worden. „Allerdings gibt es keine Garantie, dass es nicht bald zu neuen Engpässen kommt“ sagt Jacobsz. Sicher ist zurzeit nur, dass Südafrikas Goldbranche auch in diesem Jahr noch weniger Gold als in den Vorjahren fördern wird. Wegen der immer größeren Tiefe der Minen fällt die Produktion seit langem: Lag sie 1970 noch bei 1000 Tonnen pro Jahr, waren es 2007 nur noch 272 Tonnen – der niedrigste Stand seit 1922. China wird Südafrika deshalb voraussichtlich in diesem Jahr als größten Goldproduzenten überholen.

Insgesamt wurden in den vergangenen 120 Jahren am Kap mehr als 50 000 Tonnen Gold gefördert – das ist fast ein Drittel der gesamten Weltproduktion. Und glaubt man den geologischen Studien, lagern noch immer fast die Hälfte der weltweit bekannten Goldreserven unter dem Johannesburger Witwatersrand – allerdings in Tiefen, die einen Abbau selbst beim jetzigen Rekordpreis noch nicht rentabel machen.

Daneben leiden Südafrikas Goldförderer unter den hohen Kosten der Förderung. Nachteilig wirkt sich vor allem aus, dass der Goldpreis in Dollar berechnet wird, während die Kosten der Minen in der Lokalwährung Rand anfallen. Zum Leidwesen der Goldbranche hat der Rand im Zuge des weltweiten Rohstoffbooms stark gegenüber dem Dollar aufgewertet. Südafrikas Goldförderer haben deshalb bislang kaum vom höheren Goldpreis profitiert.

Als besonderes Manko entpuppt sich dabei vor allem die enorme Tiefe der Minen am Kap. Während das Edelmetall anderswo quasi von der Oberfläche gekratzt wird, erfolgt der Abbau in Südafrika noch immer auf den gleichen Flözen, die ab 1888 um Johannesburg entdeckt wurden. Entsprechend tief sind die Bergwerke heute: Gold Fields ist gerade dabei, seine Grube Driefontein auf 4121 Meter auszuweiten – es wäre dann die tiefste der Welt. Wolfgang Drechsler

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