Wirtschaft : Südamerika droht das Chaos

Die Krise Argentiniens hat nun auch auf Uruguay übergegriffen – das Kapital flieht, die Banken sind geschlossen

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Berlin (mo). Die Finanzkrise in Lateirika hat auf Uruguay übergegriffen. Ende der Woche ist es in dem Nachbarland Argentiniens zu schweren Ausschreitungen gekommen, nachdem die Regierung am Dienstag die Banken geschlossen hatte. Dies war notwendig geworden, weil immer mehr Argentinier, die selber keine Zugang mehr zu ihren Konten im Inland haben, ihre Sparguthaben in Uruguay plünderten. Bereits hat die Kapitalflucht in Uruguay mehrere Banken in die Pleite getrieben.

In der Folge wurden am Donnerstag Supermärkte geplündert und Polizisten angegriffen, während tausende Demonstranten friedlich mit einem Generalstreik gegen die Politik der Regierung protestierten. Die Ausschreitungen erinnern an die Proteste gegen die Wirtschaftspolitik im benachbarten Argentinien, das Ende vergangenen Jahres zahlungsunfähig wurde. Das führte zum Rücktritt der Regierung. Seit Anfang des Jahres sind die Devisenreserven der Zentralbank in Montevideo um 79 Prozent auf nur noch 655 Millionen Dollar gesunken sind. Das Fluchtkapital der Argentinier schrumpfte seit Januar von sieben Milliarden Dollar auf nur noch 2,2 Milliarden Dollar. Außerdem verlor die Landeswährung Peso seit der Freigabe am 20. Juni gegenüber dem US-Dollar um mehr als 40 Prozent. Die Rating-Agenturen haben die Bonität Uruguays mittlerweile deutlich herabgestuft. Damit sind Investitionen im internationalen Vergleich zurzeit nur noch in Argentinien riskanter. Die höheren Risikoaufschläge für Kredite, die nun fällig werden, schrecken indes zunehmend Investoren ab. Immer mehr Anleger aus dem Ausland meiden Länder wie Uruguay.

Angesichts der sich zuspitzenden Situation in Uruguay sagte die US-amerikanische Regierung dem Land Unterstützung zu. Man werde sich beim Internationalen Währungsfonds (IWF) für zusätzliche Gelder einsetzen, teilte das Finanzministerium in Washington mit. Uruguay zeige „solide Wirtschaftsleistungen“ und verdiene für seine Bemühungen um eine gesunde Wirtschaft die Unterstützung der Finanzwelt. Bereits in der kommenden Woche will US-Finanzminister Paul O` Neill die lateinamerikanischen Krisenländer besuchen. Neben Uruguay wird er in Argentinien und Brasilien erwartet.

Zittern um Brasilien

Dabei scheint die Lage in Uruguay noch vergleichsweise handhabbar. Bis vor kurzem noch galt das Land als die Schweiz Südamerikas. Es schien politisch und wirtschaftlich stabil. Und obwohl sich Uruguay seit 1999 in einer Rezession befand, galten Investitionen in dem Land als relativ sicher. Bedingt durch die Finanz- und Wirtschaftskrise im Nachbarstaat Argentinien aber bekam auch Uruguay, das vom Banken- und Tourismusgeschäft stark abhängig ist, zunehmend Probleme.

Alle Länder der lateinamerikanischen Freihandelszone Mercosur (siehe Lexikon) bekommen inzwischen die Folgen der schweren Krise in Argentinien zu spüren. Am problematischsten wäre allerdings eine Schieflage der größten südamerikanischen Volkswirtschaft Brasilien. Auch am internationalen Anleihemarkt würden die Folgen einer Brasilien-Krise besonders sichtbar. Denn rund 15 Prozent der gesamten Eurobond-Marktes für Schwellenland-Anleihen enfallen auf Brasilien-Bonds.

Seit Jahresanfang haben die Investoren zunehmend Vertrauen in die brasilianische Landeswährung, den Real, verloren. Sie verunsichert vor allem der Ausgang der Präsidentschaftswahlen im Oktober. Denn es wird mit einem Regierungswechsel gerechnet. Von einem neuen linken Präsidenten wird erwartet, dass er die Stabilitätspolitik des Landes nicht fortsetzt und womöglich, sollte der Real weiter an Wert verlieren und der Schuldendienst dadurch steigen, eine Umschuldung vorschlagen wird. Obwohl der IWF die neuerlichen Probleme nicht verhindern konnte, setzen die Mercosur-Staaten nun ihre Hoffnung auf neue Kredite aus Washington. Das müssten in erster Linie die USA als größte Kapitalgeber des Fonds unterstützen.

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