Wirtschaft : Südkorea erhält größten IWF-Kredit

Rund 55 Mrd.Dollar gegen die Finanzkrise / Auflagen zwingen zu radikalem Sparkurs

SINGAPUR / SEOUL (k.k./dpa).Zur Bewältigung der schweren Finanzkrise erhält Südkorea einen Kredit in der Größenordnung von rund 55 Mrd.Dollar.Es handelt sich um die größte Hilfsaktion in der Geschichte des Internationalen Währungsfonds (IWF).Außer dem Währungsfonds beteiligen sich auch noch die Weltbank, die Asiatische Entwicklungsbank sowie die USA, Japan, Deutschland und andere Staaten an der Rettungsaktion.Da in zwei Wochen Präsidentenwahlen stattfinden, bestand der IWF darauf, daß auch die Kandidaten der Opposition zu den Verpflichtungen stehen werden, an die das Hilfsabkommen gebunden ist.Die strengen Auflagen, die das stolze Korea als schwere Demütigung empfindet, haben die seit voriger Woche geführten Verhandlungen wiederholt ins Stocken gebracht.Südkorea soll laut IWF-Direktor Michel Camdessus in den kommenden drei Jahren 21 Mrd.DM vom Währungsfonds bekommen.Die Weltbank habe dem IWF weitere zehn Mrd.DM Dollar als Beitrag zum Hilfspaket zugesagt.Weitere vier Mrd.Dollar sollen von der Asiatitischen Entwicklungsbank (ADB) kommen, sagte Camdessus am Mittwoch in Seoul. Für das Land der Morgenstille beginnt nun die eigentliche Roßkur.Der IWF zwingt die elftgrößte Volkswirtschaft der Welt zu einem radikalen Sparkurs.Die Staatsausgaben müssen im kommenden Fiskaljahr um zehn Prozent gesenkt, die Wachstumsraten auf 2,5 Prozent bis drei Prozent hinuntergedrückt und die Fehlbeträge in der Leistungsbilanz von gegenwärtig 13 Mrd.Dollar auf fünf Mrd.Dollar verringert werden.Eine weitere Auflage betrifft die Schließung stark verschuldeter Banken.Die heftigsten Widerstände der koreanischen Regierung richteten sich gegen die Drosselung des wirtschaftlichen Wachstums und gegen die Liquidation der Geldhäuser, denen das Finanzministerium eine Gnadenfrist von drei bis sechs Monaten geben wollte.Südkorea soll auch zugesagt haben, die Obergrenze der Beteiligung ausländischer Investoren von 26 auf 50 Prozent zu erhöhen. Seit den 60er Jahren ist die koreanische Wirtschaft im Schnitt 8,6 Prozent pro Jahr gewachsen.Das Pro-Kopf-Einkommen stieg von 60 Dollar im Jahr 1960 auf 10 500 Dollar im vorigen Jahr.Die vom IWF erzwungene Verringerung der Wachstumsraten auf 2,5 Prozent bis drei Prozent kommt folglich einem Schock gleich.Wie in Japan, so galt auch in Korea bislang das Prinzip der Anstellung auf Lebenszeit.Personalentlassungen waren tabu.Trotz der spektakulären Pleiten von über einem halben Dutzend Großkonzernen und von etwa 15 000 kleineren Unternehmen in den ersten neun Monaten dieses Jahres beträgt die Erwerbslosenquote zur Zeit nur 2,4 Prozent.Ökonomen schätzen, daß die vom IWF dem Land verordnete Roßkur zur Entlassung von anderthalb Millionen Arbeitern und Angestellten führen werde.Die Arbeitslosigkeit dürfte daher im kommenden Jahr auf sieben Prozent hochschnellen. Ursache der Krise ist in starkem Maße die seit Jahrzehnten verfolgte Entwicklungsstrategie.Triebfeder wirtschaftlichen Handelns war in Korea stets der Ehrgeiz nach Prestige, der Wille zur Macht und das Bedürfnis nach nationaler Größe, während das Profitstreben eine untergeordnete Rolle spielte.In der Kreditvergabe an die beherrschenden Firmenimperien handelten die Banken vielfach auf Anweisung des Staates.Vor allem lokale Banken sitzen auf einem Berg uneinbringlicher Schulden, deren Höhe mit mindestens 26 Mrd.Dollar veranschlagt wird.Die Auslandsschulden Südkoreas werden auf 120 Mrd.Dollar geschätzt.Daneben verlor die Landeswährung Won aufgrund der jüngsten Währungsturbulenzen zum US-Dollar seit Jahresbeginn fast 40 Prozent ihres Wertes.Die Aktienkurse an der Seouler Börse stürzten auf ein Zehn-Jahres-Tief. Die Expansion der südkoreanischen Wirtschaft erfolgte auf Kosten der Ertragskraft, die immer stärker litt.Ein Paradebeispiel liefert der Kia-Konzern, der im vergangenen Jahr mit dem Verkauf von Motorfahrzeugen nur noch eine Umsatzrendite von gut 0,01 Prozent erzielte.Da es in Südkorea keine Mechanismen zum Schutz der Anlegerinteressen gibt, kam es in all den Jahren zu keinem Aufbegehren von seiten der Investoren.

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