Wirtschaft : Südkorea schließtmarode Banken

Aber weiter Tauziehen um IWF-Milliardenkredit

SEOUL / KUALA LUMPUR (AFP / rtr).Die südkoreanische Regierung hat am Dienstag neun Handelsbanken die Lizenz bis zum Jahresende entzogen und damit eine vom Internationalen Währungsfonds (IWF) geforderte Reform des maroden Bankensektors eingeleitet.Die vorläufige Schließung der Institute trete mit sofortiger Wirkung in Kraft, teilte das Finanzministerium am Dienstag mit.IWF-Generaldirektor Michel Camdessus zeigte sich jedoch skeptisch, ob die bisherigen Bemühungen Seouls zur Reform des Finanzsektors ausreichend seien.Deshalb sei nicht sicher, ob der IWF sich an einem milliardenschweren Hilfspaket beteiligen werde, sagte Camdessus.Südkoreas Finanzminister Lim Chang Yuel kündigte dagegen an, ein Abkommen mit dem IWF werde am heutigen Mittwoch unterzeichnet. Das Finanzministerium in Seoul forderte die Institute auf, bis zum Jahresende Reformen einzuleiten.Sollten sie nicht bis zum März kommenden Jahres ihre Geschäfte in Ordnung bringen, drohe ihnen die Schließung.Im Geschäftsviertel von Seoul versammelten sich rund 300 Bankangestellte und demonstrierten gegen die überraschende Ankündigung.Vor den betroffenen Instituten versammelten sich ratlose Kunden. Vor einer Zustimmung des IWF müsse die südkoreanische Regierung beweisen, daß sie "die größten Anstrengungen" unternehme, um das in sie gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen, sagte IWF-Chef Camdessus.Mehrere amerikanische und europäische Regierungen sowie Japan hätten sich grundsätzlich bereit erklärt, Mittel für einen Kredit zur Verfügung zu stellen."Das ist keine leichte Entscheidung für Staaten, deren Haushalte es eigentlich nicht erlauben, einem Schwellenland zu Hilfe zu kommen", sagte Camdessus. Die Unterzeichung des Abkommens mit dem IWF sei in Anwesenheit von Camdessus am heutigen Morgen geplant, kündigte Südkoreas Finanzminister Lim nach Angaben der Nachrichtenagentur Yonap an.Die Verhandlungen mit dem IWF seien fast abgeschlossen.Auf den Finanzmärkten wurde die Äußerung mit Zurückhaltung aufgenommen, nachdem die Regierung in dieser Woche schon mehrfach angekündigt hatte, das IWF-Abkommen sei unter Dach und Fach. Die negativen Äußerungen von IWF-Generaldirektor Camdessus und die vorläufige Schließung der Banken brachten die südkoreanische Landeswährung auf den Finanzmärkten weiter unter Druck.Nach einem neuen kurzzeitigen historischen Tiefstand von 1285 Won für einen US-Dollar notierte die Währung zu Handelsschluß am Dienstag mit 1235.Wertpapierhändler befürchteten, daß die Bankenschließungen weite Kreise ziehen und südkoreanische Unternehmen in Bedrängnis bringen könnten.Mit einer Stabilisierung des Won sei vor einer Einigung mit dem IWF nicht zu rechnen.Die Aktienbörse in Seoul schloß auf dem tiefsten Stand seit über zehn Jahren.Der wichtigste Aktienindex des Landes verlor mehr als vier Prozent an Wert.Um den Kursverfall des thailändischen Baht aufzuhalten, bat die Notenbank in Bangkok die Exportfirmen des Landes, ihre Dollarbestände zu verkaufen.Der Baht rutschte dennoch auf 41,65 (40,80) Baht je Dollar.Auch der malaysische Ringgit und die indonesische Rupie gaben im Verhältnis zum Dollar weiter nach. Auch die Aktienkurse in Tokio schwächten sich nach vier Tagen mit steigender Tendenz leicht ab.Der Nikkei-Index sank auf 16 910 Punkte.Auch in Japan hat der Zusammenbruch großer Finanzinstitute zu einer Wirtschaftskrise geführt.

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