Wirtschaft : Südkorea wirbt um internationale Investoren

SEOUL .Die koreanische Wirtschaft macht gegenwärtig eine völlige Umstrukturierung durch.Das erklärte Koreas Präsident Kim Dae-Jung dem Handelsblatt in Seoul.Die Stagnation der Geschäftstätigkeit setze sich deshalb auch fort.Zwar habe sich die Geschwindigkeit des Abwärtstrends ein wenig verringert, aber es sei schwer zu beurteilen, ob die Wirtschaft schon die Talsohle durchschritten habe, meinte Kim.Wenn jedoch die gegenwärtigen Reformanstrengungen zum Jahresende Erfolg haben und die Restrukturierung unter dem neuen reformierten System verwirklicht werde, erwarte die Regierung, daß Korea im Jahr 2000 einen Sprung nach vorn machen könne.

Seinen Optimismus stützt Kim sowohl auf die Reformen im Banken- und Unternehmenssektor als auch auf die Restrukturierung der großen Konzerne (Chaebols).Während diese Reformen weitergeführt werden, sei ein wirtschaftlicher Rückgang unvermeidlich.Aber nach Ansicht der Regierung werden sich im nächsten Jahr die positiven Effekte der Reformen zeigen.Dies werde auch die Wiederaufnahme der Investitionstätigkeit und der Konsumaktivitäten ermöglichen.Dann werde auch Koreas Kreditrating wieder heraufgesetzt werden.

Allerdings räumt Kim auch Risiken ein.Wenn die Unruhen in Indonesien andauerten sowie Japans Wirtschaft und die Finanzmärkte weiter träge blieben, könnte dies negative Wirkungen für Südkorea haben.Das Land sei schon jetzt mit der Notwendigkeit belastet, unter schwierigen Umständen zu restrukturieren.Doch sei, meint Kim, die Situation gegenwärtig viel besser als im vergangenen Dezember.Viele Finanzinstitute hätten ihre kurzfristigen Kredite in langfristige umwandeln und eine Insolvenz vermeiden können.Als Ergebnis hätten sich Koreas kurzfristige Rückzahlungsverpflichtungen substantiell verringert.Die Devisenreserven des Landes hätten sich schneller als erwartet erhöht, und der Wechselkurs stabilisiere sich.Kim: "Wir werden in der Lage sein, unsere Wirtschaft zu stabilisieren, solange Banken und Unternehmen ihre Organisation und Aktivitäten weiter schnell und gründlich restrukturieren." Um die Restrukturierungsanstrengungen zu finanzieren, hat die Regierung beschlossen, 50 Billionen Won-Bonds herauszugeben.Davon sind 25 Billionen Won für den Ankauf schlechter Kredite, 16 Billionen für die Kapitalaufstockung der Banken und neun Billionen für einen Einlagensicherungsfonds vorgesehen (1000 Won = 1,27 DM).

Nun müßten die Reformen der Unternehmen und der Finanzinstitute beharrlich vorangetrieben werden, sagte Kim.Die Bewertung der Banken Koreas soll zum Ende dieses Monats abgeschlossen sein.Auf der Grundlage dieser Ergebnisse sollen insolvente, unrettbare Banken aufgefordert werden zu schließen, während Qualitätsbanken ermutigt werden sollen, ihre Wettbewerbsfähigkeit stark zu steigern - durch Kapitalerhöhungen und durch eine Verbesserung ihrer Finanzstrukturen.Parallel zu den Bankenreformen soll die Unternehmensrestrukturierung weiter vorankommen.Die Banken sollen Unternehmen helfen, auf den internationalen Märkten zu konkurrieren.

Während des Umstrukturierungsprozesses würden mehr Menschen ihre Jobs verlieren und mehr Unternehmen aus dem Markt ausscheiden, sagte Kim.Dies sei unvermeidlich.Kim: "Wenn wir versuchen, heute Schmerzen und Agonie zu vermeiden, verlängern wir nur den derzeitigen Zustand und machen es nur noch schlimmer." Eine schnelle, konsistente Reform und die daraus resultierende Erholung seien die wichtigste Arznei gegen Schmerzen.

Kim Dae-Jung bedauert, daß eine kleine Minderheit der Arbeiter versuche, die Reformanstrengungen mit dem Argument zu unterbrechen, nur die Arbeiter hätten die Schmerzen der Restrukturierung auszuhalten.Es sei nicht zu bestreiten, daß mehr und mehr Arbeiter in diesem Prozeß ihren Job verlören.Aber es sei nicht richtig, daß die gesamte Last nur den Arbeitskräften auferlegt worden sei.Die 71 Aufgaben, die die trilaterale Kommission aus Arbeitnehmervertretern, Unternehmens- und Regierungsvertretern der Regierung aufgetragen habe, schlössen das Schaffen grundlegender Arbeitsrechte ein, Maßnahmen zur Arbeitslosenunterstützung, die Reform verschiedener Gesetze und die Reform der Strukturen der Chaebols.Die Regierung habe sogar die Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit um umgerechnet 2,1 Mrd.US-Dollar über den Betrag hinaus aufgestockt, den die trilaterale Kommission vereinbart hatte.

Die Regierung kann mit ihren Bemühungen allein nicht alle Probleme lösen, die mit der Restrukturierung verbunden seien.Besonders beunruhigt zeigte sich Kim über die unzureichende Zusammenarbeit zwischen dem Management und den Arbeitnehmern, weil eine gute Zusammenarbeit der wichtigste Faktor sei, um Auslandskapital anzuziehen.Jede internationale Investition werde Korea helfen, von der Krise zu genesen, und dies werde schließlich zu einer Lösung des Arbeitslosigkeitsproblems führen.

Weil die koreanische Regierung ausländischem Kapital eine Schlüsselrolle bei der Überwindung der Krise zumesse, habe sie in den ersten drei Monaten nach dem Regierungsantritt drastische Maßnahmen zur Verbesserung der Investitionsbedingungen für Ausländer ergriffen.Dies schließe die Erlaubnis von Zusammenschlüssen koreanischer mit internationalen Unternehmen ein.Unter der neuen Gesetzgebung seien die Höchstgrenzen für ausländische Investitionen komplett abgeschafft worden.Bisher einschränkende Regeln bei der Art der Investitionen, die Ausländer tätigen können, seien substantiell liberalisiert worden.Internationale Investoren könnten nun Grund und Boden unter denselben Bedingungen wie koreanische Käufer erwerben.

In diesem Monat würden der Entwurf eines Devisentransaktionsgesetzes, das internationale Bewegungen in Dollar liberalisiert, und das Gesetz zur Förderung der Auslandsinvestitionen im Parlament eingebracht.Dieses Gesetz vereinfache die Investitionsregeln in Korea und biete Auslandsinvestoren substantielle Steueranreize.

Die Reformen trügen bereits Früchte.In den vergangenen zwei Monaten hätten 30 internationale Investoren ihre Verhandlungen abgeschlossen oder verhandelten noch über Investitionen mit einem Volumen von insgesamt mehr als 6,5 Mrd.Dollar.Der koreanische Markt biete heute auch deutschen Investoren eine außergewöhnliche Möglichkeit, warb Kim.Einige deutsche Investoren hätten diese Chancen schon ergriffen.Die deutsche BASF habe kürzlich das Lysine-Geschäft der koreanischen Daesang-Gruppe für 600 Mill.Dollar gekauft.Die deutsche FAG habe das Kerngeschäft der koreanischen Hanwha-Maschinenfabrik für 250 Mill.Dollar erworben.Dies sei nicht alles.Die Commerzbank habe eine Absichtserklärung unterzeichnet, 250 Mill.Dollar in die koreanische Exchange Bank zu investieren.Kim: "Das höchste Ziel meiner Regierung ist es, Korea zum besten Land in der Welt für internationale Investoren zu machen, damit sie hier zusammen mit ihren koreanischen Partnern ohne unvernünftige Restriktionen Geschäfte machen können." RAINER NAHRENDORF (HB)

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