Wirtschaft : Südkoreas Börse fällt auf 10-Jahres-Tief

Finanzministerium ordnet Fusion von Handelsbanken an / Schwächung weiterer Währungen

SEOUL (AFP).Trotz der angestrebten Hilfe durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) sind die Börsenkurse in Südkorea am Montag auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gefallen.Der zentrale Aktienindex rutschte um 5,9 Prozent auf einen Schlußstand von 456,54 Punkten.Händler berichteten, daß die erwarteten strengen Auflagen des IWF zu panikartigen Verkäufen geführt hätten.Anleger, die um ihr Geld fürchteten, versammelten sich zu wütenden Spontanprotesten vor Wertpapierhäusern und vor der Börse, um den sofortigen Handelsstopp zu fordern.Auch die Landeswährung Won gab erneut nach.Angesichts der Krise ordnete das südkoreanische Finanzministerium die Fusion von zwölf Handelsbanken an.Außerdem soll ein öffentlicher Fonds ins Leben gerufen werden, um faule Kredite in Milliardenumfang zurückzukaufen. "Jeder verkauft, was er kann", gab ein Händler des Wertpapierhauses Dongsuh die nervöse Stimmung wieder.Die meisten Anleger hätten im Verlauf des Börsentages "riesige Mengen Geld" verloren.Auch der Zusammenbruch des japanischen Wertpapierhauses Yamaichi Securities habe das Börsengeschehen in Seoul negativ beeinflußt.In Rundfunk- und Fernsehsendungen wurde an die Bevölkerung appelliert, devisenträchtige Übersee-Reisen zu stornieren und gehortete US-Dollars auf die Bank zu bringen, um die Währungsreserven des Landes aufzufüllen und den Won zu stützen.Südkoreas Finanz- und Wirtschaftsminister Lim Chang-Yuel forderte unterdessen im Vorgriff auf erwartete IWF-Forderungen zwölf der insgesamt 30 Handelsbanken des Landes zur Fusion auf.Eine schnelle Umstrukturierung des Finanzsektors sei "die letzte Chance" für Südkorea, die Krise zu überwinden, erläuterte Lim bei einem Treffen mit Bankenvorständen.Die Fusionen müßten bis Ende Dezember erfolgt sein. Bei den namentlich aufgeführten Banken handelt es um Geldinstitute, die faule Kredite in erheblichem Umfang in ihren Büchern stehen haben.Die Regierung werde künftig nur noch wettbewerbsfähige Banken unterstützen, warnte Lim.Sollten die Banken der Fusionsorder nicht nachkommen oder zumindest aktiengebundene Sicherheiten ausweisen können, müßten sie ihre internationale Geschäftstätigkeit im neuen Jahr einstellen.Lims Ministerium kündigte die Errichtung eines staatlich gespeisten Fonds an, mit dem notleidende Kredite im Volumen von 14,4 Mrd.Dollar aufgekauft werden sollen. Unterdessen begannen in Seoul erste Arbeitsgespräche mit Fachleuten des IWF.Kanada zeigte sich beim Apec-Treffen in Vancouver zu Hilfsmaßnahmen für das angeschlagene Land bereit.

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