Wirtschaft : Südkoreas Won gewinnt deutlich an Boden

Regierung koppelt die Landeswährung vom Dollar ab / Weitere Turbulenzen an anderen Devisenmärkten Südostasiens

TOKIO (ga/HB/rtr/AFP).Südkoreas Zentralbank hat den Wechselkurs der Landeswährung Won am Dienstag freigegeben.Damit erfüllte das Land eine Bedingung des Internationalen Währungsfonds (IWF), der die Auszahlung weiterer Mittel aus dem Milliarden-Hilfsprogramm in Aussicht stellte.Bislang durfte der Won nur in einer Bandbreite von 10 Prozent gegenüber dem Dollar schwanken.Die Freigabe führte zu einer deutlichen Stabilisierung der koreanischen Währung und zu einem Anstieg der Aktienkurse.Der Won stieg am Dienstag zeitweilig bis auf ein Niveau von 1350 Won je US-Dollar und schloß bei 1425 Won gegenüber 1630,90 am Montag.Auf dem Aktienmarkt legte der Kosp-Index um knapp 4,8 Prozent weiter zu und schloß mit 404,26 Punkten.Dagegen kam es an den anderen Finanzmärkten Südostasiens am Dienstag erneut zu heftigen Währungsturbulenzen - sowohl der thailändische Baht als auch der taiwanesische Dollar und der philippinische Peso büßten gegenüber dem US-Dollar deutlich an Wert ein. Der Won war bislang an den Dollar gekoppelt.Im Gefolge der asiatischen Finanzkrise hatte die südkoreanische Regierung Mitte November die erlaubte Schwankungsbreite gegenüber der US-Währung von 2,5 Prozent auf zehn Prozent ausgeweitet.In der vergangenen Woche reichte aber selbst der erweiterte Korridor nicht mehr aus, als die Landeswährung an vier Tagen in Folge innerhalb kürzester Zeit um jeweils mehr als zehn Prozent gegenüber dem Dollar nachgab und der Handel mit dem Won ausgesetzt werden mußte.Zugleich pumpte die südkoreanische Zentralbank mehrere Mrd.Dollar in das Finanzsystem, um das Vertrauen in den Won wiederherzustellen, der seit Beginn der Währungskrise rund 50 Prozent seines Wertes eingebüßt hat. Maßgeblich für die Erholung des Won war auch, daß Südkorea im November erstmals seit vier Jahren wegen des starken Rückgangs der Einfuhren wieder einen Leistungsbilanzüberschuß von 600 Mill.Dollar erwirtschaften konnte.Die Bank of Korea erwartet jetzt für 1997 eine Halbierung des Leistungsbilanzdefizits zum Vorjahr auf rund 12 Mrd.Dollar. In Seoul gilt jedoch sowohl die Krise des Won und als auch die Liquiditätsschwäche des Landes als noch längst nicht überwunden.Analysten warnten, daß die Won-Erholung nur von kurzer Dauer sein könnte.Die Regierung in Seoul verfüge kaum noch über Währungsreserven und die politische Lage sei zudem vor den Präsidentschaftswahlen am Donnerstag unklar.Kim Dae Jung, der Favorit bei dem Wahlgang, wird von den südkoreanischen Gewerkschaften gestützt, die gegen die strikten wirtschafts- und finanzpolitischen Auflagen des IWF protestiert hatten. Um die Konformität der Regierung mit den Auflagen des IWF zu demonstrieren, kündigte Finanz- und Wirtschaftsminister Lim Chang-Yuel am Dienstag zudem an, daß eine der beiden Geschäftsbanken, an denen die Regierung eine Kapitalbeteilung zur Stützung eingegangen war, an einen ausländischen Interessenten verkauft werden soll.Von Seiten des IWF war die Entscheidung Seouls kritisiert worden, bei der Korea First Bank und der Seoul Bank 59 Prozent des Kapitals zu übernehmen und damit die bisherige staatliche Politik der Stützung maroder Unternehmen fortzusetzen.Die Regierung in Seoul will nun dem Parlament bis zur Eröffnung der außerordentlichen Sitzungsperiode am 22.Dezember eine Novelle des "General Banking Act" zuleiten, die vorsieht, daß ausländische Banken mehr als vier Prozent des Kapitals einer koreanischen Bank halten dürfen.Vom Präsidialamt wurde allerdings deutlich gemacht, daß noch keine Bank für den Verkauf an einen nicht-koreanischen Erwerber bestimmt sei.Darüberhinaus sollen künftig Richtlinien veröffentlicht werden, in denen auch eine Obergrenze für die nicht-koreanische Beteiligung festgelegt wird. Zugleich beschloß die koreanische Regierung - ebenfalls entsprechend den Empfehlungen des IWF -, die Obergrenze für Marktzinsen von bislang 25 auf 40 Prozent p.a.anzuheben.Das Zins-Oberlimit hatte zuvor zu einer vollständigen Lähmung der offiziellen Finanzmärkte geführt.Demgegenüber kam es am privaten Geldmarkt zum Anstieg des Zinsniveaus bis auf 50 Prozent für Drei-Monats-Commercial Papers und Wechsel.Dieser Schritt steht im Zusammenhang mit der Auflage des IWF, die Preissteigerungsrate im kommenden Jahr auf höchstens 5 Prozent einzudämmen. Ziel der verschiedenen Initiativen zur Implementierung der IWF-Auflagen ist es nach Ansicht koreanischer Broker, den IWF doch noch zu einer beschleunigten Auszahlung seiner Hilfszusagen zu bewegen, da bis Jahresende hohe Verbindlichkeiten koreanischer Banken fällig werden.Nach den bisherigen Plänen ist in diesem Jahr vom IWF lediglich die Überweisung von 9 Mrd.der zugesagten 21 Mrd.Dollar an Hilfen vorgesehen.

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