Wirtschaft : Sünden-Fall

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Mit dem Italiener Rocco Buttiglione hat ein Ausschuss des Europäischen Parlaments vergangene Woche erstmals einen designierten EUKommissar als nicht tragbar abgelehnt. Der Grund: Buttigkiones Äußerungen über Homosexualität und die Ehe. Das Votum ist noch nicht bindend, eine offizielle Stellungnahme von Kommissionspräsident José Manuel Barroso wird für den 21.Oktober erwartet. Tatsächlich lassen die Worte Buttigliones, einem gläubigen Katholik und Freund des Papstes, kaum darauf schließen, dass er ungeeignet für den Posten ist. Die meist kritisierte Äußerung betraf seine Ansichten zu Homosexualität. Während die Medien sich größtenteils darauf beschränkten, aus dem Kontext gerissen das Wort „Sünde“ zu zitieren, empfiehlt es sich, den genauen Wortlaut näher zu betrachten. Laut Buttiglione ist es wichtig, „einen Unterschied zwischen Moral und Gesetz zu machen“ – ein Unterschied, der für viele seiner Zuhörer offenbar zu feinsinnig war. „Viele Dinge mögen als unmoralisch gelten, die nicht verboten werden sollten. Ich mag Homosexualität als Sünde betrachten, aber das ist ohne Wirkung, solange ich nicht sage, es ist ein Verbrechen. Der Staat hat kein Recht, seine Nase in diese Dinge zu stecken“. Buttiglione hätte keine stärkere Aussage zur Verteidigung der persönlichen Freiheit machen können.

Ministerpräsident Silvio Berlusconi geißelte das Votum des Ausschusses als religiösen „Fundamentalismus“ der Europäer, die die Ernennung des Kandidaten verhindern wollten. Bedauerlicherweise scheint der Ministerpräsident recht zu haben. Viele sogenannte progressive Europäer sehen den christlichen Glauben nicht als eine Säule der westlichen Zivilisation, sondern zunehmend als deren Antithese. Buttiglione selbst versprach unterdessen, seinen Prinzipien nicht untreu zu werden. „Ich weiß nicht, ob ich bereit wäre, mich für meine Gedanken köpfen zu lassen, aber für den Job eines EU-Kommissars werde ich sie ganz sicher nicht aufgeben“. Klingt so, als würde er einen hervorragenden Kommissar abgeben.

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