Süßwaren : 23 Milliarden Dollar für Kaugummis

Süß und klebrig: Mit dem Kauf von Wrigley wird Mars der Weltmarktführer. Am Deal beteiligt ist auch der US-Milliardär Buffett.

Berlin - Rund 23 Milliarden Dollar legt der Schokoriegel-Hersteller Mars auf den Tisch. Das Objekt seiner Begierde: der Kaugummihersteller und -vermarkter Wrigley. Als ob der Zusammenschluss zum weltgrößten Süßwarenkonzern nicht so schon spektakulär genug wäre, beteiligt sich auch noch der legendäre US-Investor Warren Buffett an der Finanzierung des umgerechnet 15 Milliarden Euro schweren Deals. Buffett, der laut dem US-Magazin „Forbes“ reichste Mann der Welt, erhält über seine Holding Berkshire im Gegenzug eine Minderheitsbeteiligung im Volumen von 2,1 Milliarden Dollar an dem neuen Konzern. Zudem beteiligen sich die US-Banken Goldman Sachs und JP Morgan an der Finanzierung.

Was Mars am Montag verkündete, bedeutet den Zusammenschluss zweier amerikanischer Familiendynastien: auf der einen Seite der Mars-Clan aus Virginia, der den vor allem für seine Schokoriegel („Mars“, „Snickers“) bekannten Konzern noch immer kontrolliert und zu den reichsten Familien der USA zählt; auf der anderen die Wrigleys, die ihr Unternehmen als Seifenhersteller bereits im Jahr 1891 gründeten. In ihrer Heimatstadt Chicago haben sie sich unter anderem mit dem gleichnamigen Baseballstadion verewigt.

Der kombinierte Konzern werde einen Umsatz von rund 27 Milliarden Dollar haben, teilte Mars mit. US-Marktführer Wrigley war an der Börse zuletzt 17 Milliarden Dollar wert. Die Wrigley-Aktionäre sollen 80 Dollar je Aktie erhalten – ein Aufschlag von 28 Prozent auf den Schlusskurs von 62,45 Dollar vom Freitag. Wrigley werde von der Börse genommen und als eigenständige Tochter mit Zentrale in Chicago weitergeführt, sagte Mars-Chef Paul Michaels. Familienerbe Bill Wrigley stehe weiter an der Spitze. Mars werde seine Süßigkeitenmarken – ohne die Schokospezialitäten – unter das Dach von Wrigley bringen. Am Montag legten Wrigley-Aktien an der US-Börse 23 Prozent auf 76,91 Dollar zu.

Wrigley hat schon seit geraumer Zeit versucht, auch in anderen Süßwarenmärkten Fuß zu fassen. Der Konzern ist besonders in Asien und Europa – Deutschland zählt zu seinen fünf wichtigsten Märkten – erfolgreich. Im Heimatmarkt aber läuft das Geschäft nur schleppend, der Wettbewerb ist hart. Im vergangenen Jahr gelang dann der erwünschte Einstieg in das Schokoladengeschäft mit der Übernahme des russischen Herstellers A. Korkunov; 2004 hatte das Unternehmen für 1,5 Milliarden Dollar bereits das Bonbongeschäft von Kraft erstanden. Mittlerweile setzt der Konzern in 180 Ländern jährlich 5,4 Milliarden Dollar um.

Auch für Mars ist die Übernahme eine Chance: Da Wrigley einen Großteil des Umsatzes im Ausland erwirtschaftet, kann der zu den größten Schokoproduzenten der Welt zählende Konzern so seine globale Geschäftstätigkeit ausdehnen. Vor 97 Jahren gegründet, ist Mars bisher in 65 Ländern aktiv. Der Marktanteil wird auf 15 Prozent geschätzt. Neben Süßwaren produziert Mars auch Tierfutter, Reis und Fertiggerichte.

Dass sich der US-Milliardär Buffett auf die Zusammenarbeit mit einem Partner einlässt, gilt als eher ungewöhnlich: Bisher agierte er meist im Alleingang. Allerdings ist der 77-Jährige, dessen Privatvermögen auf 62 Milliarden Dollar geschätzt wird, mit Sees Candies bereits im Süßwarengeschäft vertreten. Juliane Schäuble

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