Wirtschaft : Suez und Thyssen sehen Berlin als Brückenkopf

DÜSSELDORF / NEWCASTLE /PARIS (dw).Aus dem Konkurrenzkampf zweier französischer Industriegiganten könnte das Land Berlin als lachender Dritter hervorgehen: Suez Lyonnais des Eaux hat sich im Poker um die Berliner Wasserbetriebe am Donnerstag entschlossen gezeigt, den Konkurrenten Vivendi auszustechen: "Frau Fugmann-Heesing wird in dem Umschlag mit unserem Angebot eine sehr hohe Zahl finden", betonte Suez-Chef Gerard Mestrallet am Donnerstag vor Journalisten in Paris.Zusammen mit dem langjährigen Partner Thyssen AG werde man Berlin zu einem internationalen Kompetenzzentrum in Sachen Wasserwirtschaft machen.Die Stadt werde Ausgangspunkt aller osteuropäischen und zentralasiatischen Wasser-Aktivitäten der Konzerne Suez und Thyssen.Suez bewirbt sich zusammen mit der Thyssen AG um die 49-prozentige Beteiligung an den Berliner Wasserbetrieben.Als Haupt-Rivale bei der Übernahme des größten städtischen Wasserversorgers in Europa gilt ein zweites deutsch-französisches Konsortium: Die französische Vivendi-Gruppe und der Düsseldorfer RWE-Konzern.

Wie Mestrallet geht auch Thyssen davon aus, daß die Beteiligung an den Berliner Wasserbetrieben ein "einmaliges Referenz-Projekt" darstellt.Die Versorgung der deutschen Hauptstadt habe im internationalen Geschäft einen hohen Image-Wert, führte Hans-Ullrich Gruber, Vorstandsmitglied der Thyssen Handelsunion AG am Mittwoch in Düsseldorf aus."Wir gehen davon aus, daß sich nach diesem Vorbild auch weitere deutsche Kommunen für eine Privatisierung ihrer Wasserversorgung entscheiden." Thyssen verfüge über langjährige Erfahrung im Wasser-Management.Allein die Duisburger Thyssen-Werke brauchten pro Jahr rund 900 Mill.Kubikmeter - was dem Wasserbedarf des Landes Brandenburg entspreche.Suez und Thyssen kooperieren seit sieben Jahren im Wassergeschäft.Über das Joint-venture "Eurawasser" managen Thyssen und Suez die Wasserversorgung von Potsdam, Rostock und Goslar.Suez-Vize Philippe Brongniart erklärte in Paris, er halte es für nicht ausgeschlossen, daß Eurawasser - ein Unternehmen mit 165 Mill.DM Umsatz - in die Berliner Wasserbetriebe integriert wird, wenn das Konsortium bei der Teilprivatisierung bis Ende März den Zuschlag erhält.

Brongniart erläuterte zugleich den Plan, Berlin zu einem "Kompetenzzentrum" der Wasserwirtschaft zu machen.Geplant sei ein "Internationales Institut für Umweltinfrastruktur", das mit der TU Berlin und anderen regionalen Partner kooperieren soll und gleichzeitig in den internationalen Forschungsverbund des Suez-Konzerns eingebunden wird.Suez erforscht in drei Instituten in Paris, Newcastle und Kuala Lumpur die Verbesserung der Wasserqualität.Das Berliner Institut soll sich dabei mit dem Recycling von Klär-Schlämmen und der biologischen Abwasser-Aufbereitung befassen.

Kunden und Mitarbeiter der Berliner Wasserbetriebe sollen von der Teilprivatisierung nur profitieren.Suez und Thyssen wiesen darauf hin, daß sich die Verbraucher auf stabile oder eher noch sinkende Wasser- und Abwassertarife einstellen könnten.So wurden etwa im Vertrag mit Potsdam für 20 Jahre im Bereich Wasser und Abwasser Festpreise garantiert.Auch in Berlin sehe man noch Raum für Effizienzsteigerungen, von denen am Ende die Kunden preislich profitieren könnten.Suez-Chef Mestrallet betonte, daß die Effizienz der Wasserbetriebe nicht durch betriebsbedingte Kündigungen gesteigert werden soll: "Es wird keine Entlassungen geben", sagte Mestrallet: "Dafür verbürge ich mich persönlich."

Suez Lyonnais des Eaux beschäftigt weltweit etwa 175 000 Mitarbeiter.Der vor 130 Jahren (Bau des Suez-Kanals) entstandene Mischkonzern versorgt in rund 30 Staaten etwa 77 Millionen Menschen mit Wasser.Versorgungsverträge schloß Suez unter anderem mit Paris, Barcelona, Buenos Aires und Amman ab.

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