Wirtschaft : Sulo will lieber an die Börse

Chef des Hamburger Entsorgers: Übernahme durch Alba außerhalb meiner Vorstellungswelt

Alfons Frese

Berlin - Der Berliner Entsorger Alba hat kaum Chancen auf die Übernahme des Hamburger Konkurrenten Sulo. „Dass Alba Sulo übernimmt, ist außerhalb meiner Vorstellungswelt“, sagte Sulo-Chef Jürgen Rauen dem Tagesspiegel. Umgekehrt würde das Rauen zufolge schon eher passen. Sulo habe eine Übernahme von Alba „vor der Übernahme von Cleanaway durchaus erwogen, aber die Alba-Eigentümer zeigten kein Interesse“. Im Frühjahr hatte Sulo Cleanaway übernommen und führt nun die beiden Unternehmen zusammen. Seit dem 1. Juni stehe die Organisation, und man sei nun dabei, Synergien zu heben. „Bis Ende des Jahres wird die Integration abgeschlossen sein“, sagte Rauen. Danach habe das Management die nötigen Kapazitäten frei , um sich mit der Eigentümerfrage zu befassen.

Wie berichtet, wollen die Finanzinvestoren Apax Partner und Blackstone, denen Sulo gehört, sich mittelfristig aus dem Unternehmen zurückziehen. Deshalb war die Berliner Alba als möglicher strategischer Investor gehandelt worden, der für rund eine Milliarde Euro Sulo kauft und sich damit flächendeckend in Deutschland als Entsorger aufstellt. Bislang ist Alba vor allem in Ostdeutschland, aber kaum in Westdeutschland präsent. Alba-Miteigentümer Eric Schweitzer hatte zu Beginn der Woche gesagt, man beobachte, was bei Sulo passiere. Von Seiten der Hamburger sei man aber „noch nicht angesprochen worden“.

Das bestätigte nun auch Sulo-Chef Rauen. „Wir haben nie darüber gesprochen, dass Alba Sulo übernehmen könnte.“ Von den beiden Unternehmen ist Sulo größer und breiter aufgestellt. Die Hamburger sind in mehr als zehn Ländern und in ganz Deutschland aktiv und kommen mit mehr als 8000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro. Sulo ist in der Entsorgung und im Recycling tätig, produziert aber auch mehr als zwei Millionen Abfallbehälter im Jahr. Alba dagegen konzentriert sich mit 6000 Mitarbeitern auf Ostdeutschland und Osteuropa und kam zuletzt auf einen Umsatz von 870 Millionen Euro. Mit 46 Prozent ist das Berliner Familienunternehmen, 1968 von Franz-Josef Schweitzer gegründet und heute von dessen Söhnen Axel und Eric geführt, an dem Kölner Rohstoffunternehmen Interseroh beteiligt. Interseroh (1400 Mitarbeiter, knapp eine Milliarde Euro Umsatz) organisiert unter anderem die Verwertung von Verpackungsmüll (Grüner Punkt).

Sulo-Chef Rauen zufolge gibt es auf dem deutschen Markt kaum noch Fusionsmöglichkeiten, „weil deutsches und europäisches Kartellrecht zu berücksichtigen ist“. Deshalb sei für Sulo nach dem Rückzug der bisherigen Eigentümer „der Börsengang die nahe liegende Option“, so Rauen. Dazu müsse allerdings das Börsenumfeld „im nächsten oder übernächsten Jahr stimmen“. Zwar gebe es keinen festen Termin für den Abschied von Apax Partner und Blackstone. Doch „für den Fall des Rückzugs loten wir als Sulo-Management mögliche Lösungen aus. Das wird uns 2007 sicherlich beschäftigen“, sagte Rauen dem Tagesspiegel.

Unabhängig vom künftigen Eigentümer verfüge Sulo „über die finanziellen Möglichkeiten, weitere Übernahmen auszuüben“. Das betreffe aber nur das Ausland, vor allem die mitteleuropäischen Länder bis hin zur Ukraine. In Ostdeutschland sei Sulo „stark vertreten“ und plane keine Akquisition. Mit Blick auf die Konzentrationstendenzen in der Branche und die regionale Begrenzung der Alba-Gruppe meinte Rauen, „der Konsolidierungsdruck erfordert es, flächendeckend auf dem deutschen Markt tätig zu sein“. Anders als im europäischen Ausland gilt die deutsche Entsorgungswirtschaft als sehr zersplittert.

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