Wirtschaft : "Superbörse" iX: Es sind noch Fragen offen (Kommentar)

Bernd Frank

Fusionen sind Gleichungen mit vielen Unbekannten. Die Zahl der Unbekannten vor Vertragsunterzeichnung auf ein Minimum zu reduzieren, ist Aufgabe der Verhandlungspartner. Was es heißt, wenn wichtige Punkte noch nicht vollständig geklärt sind und die Fusion dennoch verkündet wird, hat das peinliche Scheitern des Zusammenschlusses von Deutscher und Dresdner Bank gezeigt. Der geplante Zusammenschluss der Börsen Frankfurt und London zur "Superbörse" iX (international exchange) nützt in erster Linie den großen Banken und Wertpapierhäusern und den institutionellen Investoren. Das Geschäft in einzelnen Marktsegmenten wird gebündelt, die Umsätze - also die Liquidität in den einzelnen Aktien - werden konzentriert, die Transaktionskosten fallen. Aber es gibt zumindest noch zwei wichtige Fragen, die beantwortet werden müssen: Wird Frankfurt wirklich die Führung bei den zukunftsträchtigen Technologiewerten innehaben und werden die Londoner "Locals" - die dort ansässigen Wertpapierfirmen - sich auf einen Wechsel zum deutschen Börsenhandelssystem Xetra einlassen.

Hinter dem Sitz der Wachstumsmarktes - auch im Falle des angekündigten Joint Ventures mit der US-Technologiebörse Nasdaq - steht noch ein Fragezeichen. Ebenso hinter der Zustimmung der kleineren Vermögensmanager und Aktienhändler in London, die die Kosten bei der Systemumstellung auf Xetra beklagen. Sie könnten die Fusion blockieren, deshalb will ihnen die Deutsche Börse finanziell unter die Arme greifen. Im September, wenn die Hauptversammlungen beider Börsen abstimmen, wird zusammengerechnet. Eine Mehrheit von 75 Prozent ist jeweils nötig - die Fusion ist noch längst nicht in trockenen Tüchern.

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