Supergipfel bei Merkel : Opel: Jede Stunde zählt

Bei einem Supergipfel im Kanzleramt soll an diesem Mittwoch die Entscheidung über Opels Zukunft fallen. Die Verhandlungen zwischen den Chefs von Fiat, Magna, Vertretern der US-Regierung und den Ministern und Ministerpräsidenten sollen notfalls "bis in die Nacht" dauern.

Robert Birnbaum,Kevin Hoffmann
278216_3_xio-fcmsimage-20090525215430-006000-4a1af776e4c6a.heprodimagesfotos841200905262kb14807.jpg
Im Zeichen des Blitzes. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will an diesem Dienstag mit Fiat-Chef Marchionne nachverhandeln. Foto: dpa

Berlin - Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will am Mittwoch einen Gesprächsmarathon mit den Chefs von Fiat, Magna und dem Finanzinvestor Ripplewood, Vertretern der US-Regierung, den zuständigen Ministern und den Ministerpräsidenten der Opel-Standortländer organisieren.

Die Verhandlungen in unterschiedlichen Runden sollten „notfalls bis tief in die Nacht“ gehen, hieß es am Montag nach einer Ministerrunde bei Merkel. Man wolle vorab keinen der drei Anbieter ausdrücklich favorisieren, um die eigene Verhandlungsposition nicht zu schwächen. An diesem Dienstag trifft Merkel Fiat-Chef Sergio Marchionne, am Sonntag hatte sie mit der Magna-Spitze gesprochen.

Die Zeit drängt, weil die US-Regierung von Präsident Barack Obama der angeschlagenen Opel-Muttergesellschaft General Motors (GM) eine Frist bis Montag kommender Woche gesetzt hat, um einen Sanierungsplan vorzulegen. Auf dessen Basis will Obama entscheiden, ob GM neue Milliarden erhält – oder ob der Konzern Insolvenz beantragen muss. Das würde auch Opel betreffen.

Bundeskanzlerin Merkel erwartet, dass bis Mittwoch eine Vorentscheidung über einen möglichen Investor für Opel gefunden ist. Es werde dann zu einer „Kumulation der Entscheidungsmöglichkeiten“ kommen, sagte sie am Montag nach einer gemeinsamen Präsidiumssitzung von CDU und CSU in Berlin.

Nach wie vor gelte es, die Verhandlungsposition „in allen Facetten ins Auge zu fassen“. Mit Blick auf die Kritik an Äußerungen von Wirtschaftsminister Karl- Theodor zu Guttenberg (CSU), der auch eine Insolvenz von Opel nicht ausschließen will, meinte sie, sie rate allen dazu, Positionen nicht gegeneinander auszuspielen. Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hatte am Wochenende gesagt, „ich rate allen, endlich mit dem Gerede über eine Insolvenz bei Opel aufzuhören“.

Merkel machte deutlich, dass die endgültige Entscheidung über den Investor, an den Opel gehen könnte, beim GM- Konzern und dessen Großgläubiger, der US-Regierung, liege. Eine GM-Insolvenz, die auch schon für Ende dieser Woche für möglich gehalten wird, könnte Opel mit in den Strudel ziehen. „Was wir nicht wollen, ist, dass wir dann praktisch in eine Situation kommen, wo wir Anhängsel eines eventuellen Chapter-11- Verfahrens (für GM) werden“, sagte die Kanzlerin. Deutsches Interesse sei daher, schon vorher die nötigen Bedingungen für eine eigenständige Opel-Existenz zu schaffen. Merkel verwies darauf, dass es um komplizierte Dreiecksverhandlungen gehe. Die Bundesregierung spreche laufend mit den möglichen Investoren. Dabei handelt es sich um den italienischen Autohersteller Fiat, die US-Beteiligungsgesellschaft Ripplewood und den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna. Fiat und Magna hatten ihre Angebote zuletzt nachgebessert.

Das Land Hessen bereitet unterdessen die mögliche Zwischenfinanzierung für Opel vor. Dies teilte der Wiesbadener Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) am Montag nach einer Sitzung des Verwaltungsrats der landeseigenen Investitionsbank IBH mit. An diesem Dienstag werde das Gremium ein Gespräch mit GM-Europachef Carl-Peter Forster führen und dann schnellstmöglich entscheiden. Da es um Steuergeld gehe, sei ein Höchstmaß an Sorgfalt geboten. Von R. Birnbaum und K. Hoffmann

Insolvenz: ein hoher Preis

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer erwartet bei einer Insolvenz von Opel Milliardenbelastungen für den Autobauer und den Staat. Die Beispiele Saab und Chrysler zeigten, dass eine Insolvenz mit Verkaufseinbrüchen von 30 bis 40 Prozent verbunden sei, sagte Dudenhöffer am Montag. Zusätzlich müssten bei den Neuwagen Preisabschläge von zehn Prozent befürchtet werden. Dies würde bei Opel-Vauxhall eine Umsatzeinbuße durch Insolvenz von mehr als vier Milliarden Euro innerhalb eines halben Jahres bedeuten, sagte der Autoexperte von der Universität Duisburg-Essen. dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben