Wirtschaft : Superzyklus auf den Rohstoffmärkten

Öl, Metalle und Getreide werden wieder teurer / China hatte während der Olympischen Spiele die Nachfrage zurückgefahren

Frankfurt am Main - Das 20-prozentige Minus der großen Rohstoffindizes in den vergangenen Wochen signalisiert nicht das Ende des seit der Jahrtausendwende bestehenden Rohstoffbooms. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter Experten aus der Rohstoffszene und der Investmentbranche. Und auch Chartanalysten, die Prognosen aus den Kursgrafiken ableiten, teilen die Einschätzung. Die Experten sprechen von einem Superzyklus. Allerdings könnten die Rohstoffpreise kurzfristig weiter nachgeben, bevor sie dann wieder zulegen. So erwartet zum Beispiel der amerikanische Investment- Profi Jim Rogers, dass die Rohstoffhausse noch zumindest für eine Dekade Bestand haben wird. Und Allison Nathan von Goldman Sachs in New York meint, „das ist nicht das Ende des Bullenmarktes“. Nathan weist auf die nachhaltigen strukturellen Veränderungen auf dem Rohstoffmarkt hin.

Sie und andere Experten begründen die Talfahrt der Preise unter anderem damit, dass sich die zuvor sehr aktiven Finanzinvestoren von den Rohstoffmärkten abgewandt hätten. Diese Abkehr sei allerdings nur vorübergehend. Und die US-Investmentbank Raymond James & Associates sieht einen Grund für die überraschende Dynamik des aktuellen Preisrückgangs nicht zuletzt darin, dass China während der Olympischen Spiele einen Teil der industriellen Kapazitäten zurückgefahren hat.

„Wesentliche Ursache für die jüngste Korrektur ist aber auch die massive Verschlechterung der weltweiten Konjunktur“, sagt Jochen Hitzfeld von Unicredit in München. „Wir werden nur dann das Ende des Rohstoffbooms sehen, wenn die Weltwirtschaft in eine ernste Rezession abgleiten wird“, meint Mark Mobius, geschäftsführender Chairman von Templeton Asset-Management. Vor dem Hintergrund des anhaltenden Konjunkturaufschwungs in China, Indien und anderen Ländern des Fernen Ostens mit Wachstumsraten von acht bis zehn Prozent sei ein solches Szenario jedoch unwahrscheinlich. Das Wachstum in diesen Ländern, in den Staaten des Mittleren Ostens, in Russland und in Lateinamerika werde die Rohstoffpreise auf mittlere Sicht weiter stützen und im weiteren Jahresverlauf wieder in die Höhe treiben, glauben viele.

Die durchschnittlichen Prognosen für amerikanisches WTI-Rohöl liegen für 2008 bei 117 Dollar je Barrel und für 2009 bei 122 Dollar. Während die Commerzbank eine kurzfristige Übertreibung des Preisabschwungs auf 80 Dollar je Barrel für möglich hält, sieht Goldman Sachs wegen der angespannten Versorgungslage die größte Wahrscheinlichkeit einer Verteuerung auf 147 Euro je Barrel in den nächsten zwölf Monaten. Zuletzt lag der WTI-Preis bei 114 Dollar.ret (HB)

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