Wirtschaft : Suzlon setzt auf Repower

Im Kampf um den deutschen Windturbinenbauer sehen sich die Inder vor der französischen Areva

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Pune - Im Bieterwettkampf um den Hamburger Windturbinenbauer Repower macht sich der indische Konkurrent Suzlon sehr große Hoffnungen, am Ende als Sieger vom Feld zu gehen. Denn im Moment liegen die Inder mit einem Angebot von 150 Euro je Aktie, was 1,2 Milliarden Euro entspricht, vor dem staatlichen französischen Atomkraft-Konzern Areva, der nur 140 Euro je Repower-Aktie bietet. Zwar lief die Annahmefrist am Freitag aus. Aber vor allem Hedgefonds, die inzwischen gut ein Drittel der Repower-Aktien halten sollen, dürften erst am 24. Mai entscheiden, welchem der beiden Rivalen sie ihre Aktien andienen und damit zur Mehrheit verhelfen. Das ist der voraussichtlich letzte Tag der nun beginnenden Nachmeldefrist. Kauft jetzt noch einer der Bieter an der Börse weitere Aktien dazu, hätte dies zur Folge, dass er auch den anderen Aktionären den dabei bezahlten Preis bieten müsste. Momentan notiert Repower bei gut 157 Euro. Zusammen mit dem portugiesischen Partner Martifer kontrolliert Suzlon aktuell 33 Prozent der Anteile, 31 Prozent hält Areva. Suzlon-Gründer Tulsi Tanti wirbt unverdrossen für seine Vision eines global aufgestellten Windenergieanbieters. Seine Firma erhielte mit Repower Zugang zum europäischen Markt, dem größten für Windenergie. Mit dem Angebot wagen die Inder die direkte Konfrontation mit Platzhirschen wie dem dänischen Weltmarktführer Vestas, der norddeutschen Enercon, den Konzernen General Electric und Siemens sowie der spanischen Gamesa.

Analysten halten Suzlons Preis jedoch für überhöht. Er übertrifft das erste Areva-Gebot vom Januar um 50 Prozent. Diese Bewertung hat die Suzlon-Aktie zuletzt deutlich unter Druck gesetzt. „Der Markt begreift die Synergien einer Integration beider Firmen nicht“, kontert Suzlon-Chef Tanti. Produkte und Absatzmärkte ergänzten sich ideal.

Suzlon hat den Umsatz seit 2003 jedes Jahr verdoppelt und wächst damit vier Mal schneller als der Markt. Weltweit belegt die Firma bereits Platz fünf der Branche. Zudem sind die Inder mit einer Gewinnmarge nach Steuern von 20 Prozent weit profitabler als viele Wettbewerber. Repower etwa bringt es nur auf ein Prozent. „Das werden wir schnell ändern“, verspricht Tanti.

Tanti hat sein Unternehmen unter anderem durch die Übernahme des belgischen Getriebespezialisten Hansen zu einem nahezu komplett vertikal integrierten Anbieter der Windbranche ausgebaut. Davon profitieren die Inder heute angesichts ausgelasteter Kapazitäten und hoher Preise für Turbinen-Komponenten. Wie bei Hansen schließt Tanti die Verlagerung von Herstellung oder Entwicklung in seine Heimat aus. Im Gegenteil: Er investiert derzeit in ein neues Entwicklungszentrum in Hamburg mit 300 Ingenieuren – sein viertes in Deutschland. Dort sieht der Inder den „weltweit besten Wissenspool für Windtechnologie.“ olm/mjh (HB)

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