Swiss Life : Finanzdienstleister unter sich

Swiss Life sichert sich mehr als ein Viertel der Anteile an MLP. Den Konkurrenten AWD kontrollieren die Schweizer schon.

Rolf Obertreis

Frankfurt am MainDer Wieslocher Finanzdienstleister MLP mag sich hartnäckig sträuben. Es nutzt wenig: Mittelfristig droht das Unternehmen seine Unabhängigkeit zu verlieren. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag sicherte sich der Schweizer Lebensversicherungskonzern Swiss Life 26,74 Prozent an MLP und besitzt damit eine Sperrminorität. Swiss Life-Chef Rolf Dörig baut jetzt auf eine Zusammenarbeit mit MLP. „Dies war keine feindliche und ist keine feindliche Übernahme.“ Allerdings setzt er MLP-Chef Uwe Schroeder-Wildberg und MLP-Gründer und Großaktionär Manfred Lautenschläger unter Druck. „MLP kann einem Großaktionär mit 27 Prozent der Anteile nicht einfach den Dialog verweigern. Dort muss die Vernunft siegen“. Aus Wiesloch kam umgehend die Absage. „Ich sehe keinen Anlass zu einem Dialog“, ließ Lautenschläger mitteilen.

Gleichwohl ist Swiss Life jetzt nicht nur praktisch Alleinaktionär beim MLP-Konkurrenten AWD, sondern wacht jetzt maßgeblich auch über MLP. Eine Aufstockung der Anteile und auch eine Übernahmeofferte sind nach Angaben von Dörig derzeit nicht geplant. Wenn, werde es nur im Einvernehmen mit MLP geschehen.

Zentrale Figur in dem Übernahmeringen ist AWD-Gründer Carsten Maschmeyer, der vor acht Monaten seine Anteile zum großen Teil an die Schweizer abgetreten hat, aber weiter AWD-Chef ist. Er hatte sich bereits in den vergangenen Monaten knapp drei Prozent und über Optionsgeschäfte noch einmal knapp fünf Prozent der MLP-Anteile gesichert. Er blieb damit unter den bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) geltenden Meldepflichten. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag sicherte er sich dann noch einmal rund 19 Prozent der MLP-Aktien. „In der letzten Nacht sind auf einmal größere Aktienpakete angeboten wurden, da habe ich zugegriffen. Das war so nicht geplant“, beschreibt Maschmeyer die Aktion. Von der Berenberg-Bank habe er 15 Prozent und weitere vier Prozent von einem privaten Aktionär übernommen. Völlig uneigennützig und ohne einen Cent Gewinn habe er das Aktienpaket dann direkt an Swiss-Life für rund 307 Millionen Euro weitergereicht, berichtet der Manager. Alles das sei im Rahmen der Gesetze passiert, sagt der AWD-Gründer.

Maschmeyer bemüht sich denn auch, jeden Vergleich mit den Vorgängen bei Schaeffler und Continental zurückzuweisen. Dort hatte sich Schaeffler über Aktientauschgeschäfte (Swap-Geschäfte) Zugriff auf 28 Prozent der Aktien gesichert. Die Bafin sieht bei AWD und MLP derzeit aber keinen Grund zum Eingreifen, wie eine Sprecherin betont.

Während Swiss-Life-Chef Dörig versichert, die Unabhängigkeit von MLP und seinen Beratern und auch die Marke bleibe erhalten, sieht sich Maschmeyer ein gutes Stück weiter auf seinem Weg, den „Traum“ zu verwirklichen, „mit Swiss Life als Brückenbauer den größten Finanzvertrieb der Welt mit zwei unabhängigen Marken zu formen“. Deshalb will Maschmeyer für mindestens 185 Millionen Euro Aktien von Swiss Life kaufen und mit drei Prozent größter Privataktionär von Swiss Life werden.

Wie es mit MLP weitergeht, ist vorerst offen. Swiss Life will das ehemals im Deutschen Aktienindex Dax gelistete Unternehmen als zweite wichtige Vertriebsschiene nutzen. Derzeit liefere MLP pro Jahr ein Beitragsvolumen zwischen 50 und 70 Millionen Euro. Wie Dörig den MLP-Vorstand und Großaktionär Lautenschläger auf seine Seite ziehen will, ist allerdings offen. „Wir hoffen auf einvernehmliche und besonnene Gespräche“. Termine gebe es nicht. Aber MLP habe jetzt die Sicherheit, dass nicht ein anderer Großaktionär kommt und das Geschäftsmodell verwirft. Diese Erkenntnis werde in Wiesloch reifen.

Maschmeyer glaubt ohnehin, dass AWD und MLP eigentlich schon lange an einem Strang ziehen. Er und Lautenschläger hätten bei gemeinsamen Treffen leuchtende Augen bekommen, bei der Vorstellung, dass AWD und MLP gemeinsam beim Beitragsvolumen zum Allianz-Konzern aufschließen könnten.

Mit AWD und MLP sind jetzt zwei der drei größten Finanzvertriebe in Deutschland faktisch unter einem Dach von Swiss Life. AWD kam 2007 auf Provisionserlöse in Höhe von 738 Millionen Euro, MLP auf 502 Millionen Euro. AWD gilt als aggressiverer Vertrieb, der eher auf den breiten Markt zielt, MLP hat vor allem Akademiker im Auge.

Mit Abstand die Nummer eins ist die im Besitz der Familie Pohl befindliche Deutsche Vermögensberatung in Frankfurt mit Provisionseinnahmen von mehr als einer Milliarde Euro im vergangenen Jahr. Zu den größten fünf Finanzvertrieben des Marktes gehören auch die Postbank Finanzberatung sowie die OVB Holding. Rolf Obertreis

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