Wirtschaft : Swiss-Übernahme durch Lufthansa immer wahrscheinlicher

Diesen Montag treffen sich die Hauptaktionäre der Schweizer Fluggesellschaft zu entscheidenden Gesprächen

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Basel Der zweite Anlauf der Lufthansa, die angeschlagene Schweizer Fluggesellschaft Swiss zu übernehmen, geht in die entscheidende Runde. Diesen Montag treffen sich nach Informationen des „Handelsblatts“ die Swiss-Anteilseigner und lassen sich von der Geschäftsführung über die Pläne informieren. Die Swiss gehört mehrheitlich dem Bund, den Kantonen und einigen Schweizer Großunternehmen. Nach der Pleite der Swissair vor dreieinhalb Jahren hatten sie das Kapital zur Neugründung der Fluggesellschaft Swiss bereitgestellt.

Am Freitag hatte bereits die Regierung in Bern, die eine mögliche Zusammenarbeit mit Lufthansa in den vergangenen Monaten stets befürwortet hatte, über das Thema beraten. „Die Regierung hat strategische Optionen diskutiert“, sagte Regierungssprecher Achille Casanova. Eine Entscheidung sei allerdings noch nicht gefallen. Bei allen Beteiligten hieß es am Sonntag, der Druck, die Gespräche schnell zum Erfolg zu führen, sei gewachsen, seitdem die Beratungen öffentlich bekannt geworden sind. Demnach soll die Swiss ihren Namen und nach Möglichkeit auch ihre Streckenrechte behalten. Ebenso bleibt der Flughafen Zürich als Basis der Swiss bestehen. Swiss-Chef Christoph Franz hatte bei der Vorlage der Jahresbilanz genau diese Bedingungen für einen Zusammenschluss genannt. „Allianzen sind für ein Unternehmen wie uns sinnvoll“, hatte er erklärt. Bevor die Swiss aber eine Partnerschaft eingehe, müsse sie ihre eigene Handlungsfähigkeit herstellen und wieder ein positives Betriebsergebnis erzielen. Franz bekräftigte, dass es das Ziel der Airline sei, nach einem negativen Betriebsergebnis von rund 80 Millionen Euro im Vorjahr, 2005 eine schwarze Null zu schreiben.

Schweizer Medien berichteten am Wochenende, die Lufthansa wolle zunächst nur eine Minderheitsbeteiligung übernehmen. Mit dem Fortschreiten des Swiss-Sanierungsprogramms wolle auch die Lufthansa ihren Anteil schrittweise ausweiten – bis zur vollständigen Übernahme.

Swiss-Chef Franz will bis zum Jahr 2007 die Kosten seiner Fluggesellschaft jährlich um 200 Millionen Euro senken. Im April stehen Verhandlungen mit den Piloten an, die schon jetzt mit einem Streik gedroht haben.

Für die Lufthansa würde sich mit einer Übernahme der Swiss nicht nur der lukrative Markt der Schweizer Geschäftsleute öffnen. Auch unter Kostenaspekten ist eine Fusion für die Deutschen interessant: Setzt sich Franz in den Verhandlungen mit den Gewerkschaften durch, so werden einige Swiss-Bereiche günstiger arbeiten als vergleichbare Lufthansa-Abteilungen – und das dürfte die Lufthansa dann als Argument für Kostensenkungen im eigenen Haus nutzen.

Die Swiss wiederum braucht eine Allianz, weil sie im Europageschäft nur eine Auslastung von knapp 61 Prozent erreicht – damit liegt sie im Vergleich mit anderen Airlines weit hinten. Dennoch ist dieser Geschäftsbereich für die Swiss unerlässlich, um Passagiere nach Zürich und von dort auf ihr internationales Streckennetz befördern zu können. oli (HB)

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