Wirtschaft : Swissair: Abwicklung verzögert sich

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Die Integration der Swissair in die Baseler Tochtergesellschaft Crossair verzögert sich möglicherweise. Ursprünglich sollten zwei Drittel der Swissair-Flugaktivitäten mit Inkrafttreten des Winterflugplanes am 28. Oktober von Crossair übernommen werden. Offiziell hält Swissair an diesem Fahrplan zwar noch fest. Doch die Abwicklung gestaltet sich offenbar schwieriger als erwartet. Außerdem hat die US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft Texas Pacific Group (TPG) Interesse am Fluggeschäft der Swissair angemeldet. Das Unternehmen, das auch die Bankgesellschaft Berlin kaufen möchte, will dafür angeblich sieben Milliarden US-Dollar zahlen. Eine Sprecherin der Schweizer Großbank UBS bestätigte ein entsprechendes Schreiben. Rund 70 Prozent der Crossair gehören seit Anfang Oktober der UBS und der Credit Suisse. Die übrigen 30 Prozent befinden sich im Streubesitz. Kleinere Aktienpakete halten unter anderen die Kantone Basel Stadt und Basel Land sowie die Schweizerische Bundesbahn.

In der Branche wird das Angebot der Texaner als "ernstzunehme Alternative" bezeichnet. Vor allem deshalb, weil die finanziellen Konditionen deutlich besser seien. Für Abwicklung und Integration sind die bisherigen finanziellen Zugeständnisse der UBS und Credit Suisse vergleichsweise bescheiden. Für die Crossair-Beteiligung haben die Banken 260 Millionen Franken bezahlt. Außerdem erhielt Crossair Betriebsmittel in Höhe von 500 Millionen Franken und eine Garantie für eine Kapitalerhöhung im Umfang von 350 Millionen Franken. Und schließlich sollte ein Überbrückungskredit von 250 Millionen Franken für die Aufrechterhaltung der flugbetriebsnahen Dienstleistungen von Swissair gewährleistet werden. Doch den hat der Nachlassverwalter am Freitag wieder kassiert. Andere Gläubiger sollen nicht benachteiligt werden.

In der Schweiz ist die Beteiligungsfirma von David "Bono" Bondermann keine Unbekannte. Der Rechtsanwalt machte mit der Beteiligung an der Schweizer Schuhmarke Bally im Sommer 1999 von sich reden. Die Sanierung gelang. Heute steht das Unternehmen wesentlich besser da. Anders verlief hingegen die Übernahme des Schweizer Telefonherstellers Landis & Gyr Communications in Genf. Die Firma, die im April 1998 von TPC übernommen wurde, meldete Anfang des Jahres Konkurs an. Bekannt sind überdies Beteiligungen am italienischen Motorradhersteller Ducati und am Nahrungsmittelkonzern Del Monte. Auch im Fluggeschäft kennen sich die Texaner aus. Anfang der 90er Jahre kauften sie die konkursreife Continental Airlines und bewerkstelligten einen eindrucksvollen Turnaround. In nur sechs Jahren hat sich der Wert ihrer Continental-Beteiligung auf über 630 Millionen Dollar fast verzehnfacht.

Gleichwohl gibt es Vorbehalte: Denn die 1993 gegründete TPG, die zehn Milliarden Dollar Gelder von institutionellen Anlegern verwaltet, hat nicht nur durch Aufkäufe, sondern auch durch Zerschlagung von Beteiligungen von sich reden gemacht. Schon jetzt befürchten Gewerkschaftsvertreter Schlimmes. Daniel Vischer von der Gewerkschaft VPOD Luftfahrt rechnet damit, dass im Zweifel allein in der Schweiz über 10 000 Stellen auf dem Spiel stehen. Es gebe bereits Hinweise darauf, so Vischer, dass Crossair nicht wie geplant je 26 Kurz- und Langstreckenflugzeuge, sondern bestenfalls zehn Maschinen aus dem Leasing-Bestand von Swissair übernehmen werde.

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