Wirtschaft : Swissair: Airline braucht staatliche Hilfe

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Die Schweizer Traditionsfluglinie Swissair steht vor dem Ende. Es gibt bereits Spekulationen über einen Teilkonkurs. Die Fluglinie beantragte nach eigenen Angaben offiziell bei der Regierung in Bern Finanzmittel. "Ohne Staatshilfe ist die Swissair nicht lebensfähig", sagte ein Swissair-Sprecher im Rundfunk. Finanzminister Kaspar Villiger hat angekündigt, dass die Regierung eine Rettung der Swissair als wichtig für die Schweiz erachte.

"Risiko des absoluten Chaos"

Bereits am Freitagabend machte Swissair-Chef Mario Corti in der Sendung "Arena" des Deutschschweizer Fernsehens klar, dass der Swissair Group das Geld ausgeht. Corti malte für den Fall der Zahlungsunfähigkeit das Bild von Swissair-Flugzeugen an die Wand, die auf Flughäfen in der ganzen Welt blockiert sind, weil der Swissair das Geld fehlt, um das Flugbenzin zahlen können. Er sprach vom "Risiko des absoluten Chaos", einem "wirklich ganz kritischen Zeitpunkt" und einer wohl einmaligen Situation in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte der Nachkriegszeit. Ein Konkurs der Swissair-Gruppe hätte katastrophale Folgen für das ganze Land und sein Ansehen in der Welt. Hinzu kommt laut Corti, dass der Konkurs rein rechtlich kaum durchführbar ist, weil die Schweiz kein Gruppenkonkursrecht kennt und deshalb Dutzende von einzelnen Gesellschaften der Swissair-Gruppe betroffen wären.

An diesem Montag muss die Swissair 200 Millionen Franken (135 Millionen Euro) an die belgische Luftfahrtgesellschaft Sabena überweisen, an der sie mit knapp 50 Prozent beteiligt ist. Dieses Geld ist derzeit nicht vorhanden, wird aber erwartet, wie Sabena-Chef Christoph Müller im Fernsehen sagte. Bei der Sabena streikten auch am Wochenende die Piloten gegen die Sanierungspläne Müllers. Sie befürchten, Sabena könne so nicht vor der Pleite bewahrt werden. Deshalb musste Sabena rund die Hälfte der Flüge streichen. Der Streik wird von den führenden Gewerkschaften nicht unterstützt.

Swissair-Sprecher Rainer Meier sagte, der Auslöser des Bittgangs nach Bern seien Folgekosten nach den Anschlägen in den USA, die in Milliardenhöhe gestiegen seien. Diese Kosten könne die Swissair nicht ohne Staatshilfe bewältigen. Die Swissair Group hatte die Umsatzausfälle in der ersten Woche nach den Terrorakten vom 11. September noch auf 65 Millionen Franken beziffert. Mit Verkäufen von Tochterfirmen und Flugzeugen wollte Konzernchef Mario Corti Finanzmittel von 4,5 Milliarden Franken freimachen. Diese Pläne sind laut Corti "erheblich beeinträchtigt". Villiger sagte, zur Sanierung würde der Bund im Rahmen seiner bisherigen Beteiligung von drei Prozent oder "allenfalls auch mit einem etwas größeren Beitrag" beitragen. Das ganze Wochenende gab es Krisensitzungen zur Rettung der Luftgesellschaft mit 72 000 Beschäftigten.

Crossair als Retter

Nach Informationen der "Sonntags-Zeitung" soll die Swissair in Teilkonkurs gehen, die überlebensfähigen Teile aber von ihrer Tochter Crossair aufgefangen werden. An der Regionalfluglinie mit Sitz in Basel ist die Swissair mit 70,4 Prozent beteiligt. Am Finanzplatz Zürich wurde spekuliert, dass Crossair-Gründer Moritz Suter ein Konsortium bildet, dass Crossair-Aktien von der Swissair kauft. Künftig könnte Crossair dann auch interkontinentale Flüge anbieten.

Corti hatte bereits eingeräumt, dass er die Oktober-Löhne wegen des Liquiditätsengpasses nicht mehr garantieren kann. Die September-Löhne konnten nur noch mit Mühe aufgetrieben werden.

Von einem Swissair-Konkurs wäre auch die Flughafen Zürich AG stark betroffen. Beim Überleben einer redimensionierten Swissair wären die Kapazitäten zu groß. Die gegenwärtige Expansion, die 2,3 Milliarden Franken kostet, wäre eine völlige Fehlplanung.

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