Wirtschaft : Swissair: Airline fliegt wieder

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Die angeschlagene Schweizer Airline Swissair fliegt wieder. Die Fluggesellschaft erhält von der Schweizer Regierung einen Kredit von 450 Millionen Franken (595 Millionen Mark), um ihren seit Dienstag ruhenden Flugbetrieb wieder aufnehmen zu können. Es gehe um das Image der Schweiz und darum, die Chancen der Nachfolgegesellschaft zu erhöhen, begründete der Schweizer Finanzminister Kaspar Villinger am Mittwoch die Finanzspritze des Bundes.

Stundenlang hatte Mario Conti, Chef der Swissair, gestern mit Banken, Regierungsvertretern und Lieferanten über das weitere Vorgehen in der akuten Krise der Gesellschaft verhandelt. "Wir versuchen so schnell wie möglich, den operativen Betrieb wieder aufzunehmen", ließ das Unternehmen den ganzen gestrigen Tag verlauten. Aufgrund von ausstehenden Rechnungen hatten am Dienstag Treibstofflieferanten die Versorgung am Züricher Airport eingestellt. Die ausstehenden Verpflichtungen der Swissair seien erheblich, bestätigte Dario Bernardi von Shell Switzerland. In London wurden mehrere Flugzeuge beschlagnahmt, weil die Airline mit der Bezahlung der Gebühren im Rückstand ist.

Mit den finanziellen Mitteln aus einem kurzfristigen Kredit der beiden beteiligten Großbanken UBS und Credit Suisse Group (CSG) in Höhe von 125 Millionen Franken (164 Millionen Mark) sollte eigentlich die Einstellung des Flugbetriebes verhindert werden. Doch das Geld kam zu spät, und die Flugzeuge mussten auch am Mittwoch auf dem Boden bleiben - ohne Geld kein Benzin, ohne Benzin keine Flüge. Leidtragende waren die Passagiere. 470 Flüge mit 39 000 Passagiere wurden wegen des Liquiditätmangels von der Gesellschaft gestrichen.

Unterdessen mehrt sich in der Schweiz die Kritik an dem Verhalten der beiden Banken. "Ich hätte nie gedacht, dass ich auf Knien bitten muss, man möge mir Geld geben", sagte Corti fassungslos. In der vergangenen Woche hatte die Bundesregierung 125 Millionen Franken (164 Millionen Mark) als ihren Beitrag zur Sanierung angeboten, doch von der federführenden Großbank UBS nach Angaben des Finanzministeriums keine Antwort erhalten.

Der Schweizer Bundesprädident Moritz Leuenberger sprach von einer "neoliberalen Verelendungstheorie" der Banken. Diese wehren sich dagegen und weisen daraufhin, dass sie schon lange auf das Swissair-Debakel aufmerksam gemacht hätten. Die eidgenösssische Fluggesellschaft ist mit 17 Milliarden Franken (22,35 Millarden Mark) dramatisch verschuldet, allein im vergangenen Jahr musste ein Minus von 2,9 Millarden Franken (3,8 Millarden Mark) verbucht werden - die Folge milliardenschwerer Fehlinvestitionen in andere nationale und regionale Fluggesellschaften.

UBS und CSG hatten bereits in der Nacht von Montag auf Dienstag bekanntgegeben, dass sie insgesamt 1,3 Milliarden Franken (1,72 Milliarden Mark) investieren und eine neue Fluglinie mit dem Traditionsnamen Swissair schaffen wollen. Teile der bisherigen Swissair sollen in der 70-prozentigen Tochtergesellschaft Crossair aufgehen. Der Kauf der Aktien-Mehrheit der Crossair sei bereits abgeschlossen, so die Unternehmen.

Die Gewerkschaften befürchten im Zusammenhang mit diesem Sanierungskonzept einen dramatischen Stellenabbau. Nach Angaben des Swissair-Betriebsrates seien weltweit 10 000 der weltweit 72 000 Stellen gefährdet. Mehrere tausend Menschen demonstrierten am Mittwoch gegen die erzwungene Stilllegung des Flugbetriebes und forderten die Rettung der Arbeitsplätze.

Die Swissair-Aktionäre mussten für die Probleme des Schweizer Carriers schon zahlen: die Aktie brach bei Börseneröffnung am Mittwoch ein und bescherte den Anteilseignern herben Verlust, der Kurs fiel von 41,05 auf 6,40 Franken. Die Crossair-Aktien hingegen schnellten um rund 22 Prozent auf 340 Franken noch oben. Der Handel beider Aktien war am Montag und Dienstag ausgesetzt worden.

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