Wirtschaft : Swissair: Belgischer Staat rettet Sabena vor dem Aus

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Die Teilliquidierung der Swissair droht auch die belgische Sabena mit in den Abgrund zu ziehen. Die Airline hat am Mittwoch vor Gericht Gläubigerschutz beantragt. Um den Flugbetrieb zu gewährleisten, wird der belgische Staat eine Zwischenfinanzierung für einen Monat gewähren. Die belgische Luftfahrtgesellschaft, an der Swissair 49 Prozent der Anteile hält, wartete auf eine Kapitalspritze von 125 Millionen Euro, als sie erfuhr, dass der Schweizer Symbolbetrieb zahlungsunfähig geworden war. Seither liegen in Belgien die Nerven blank. Die belgische Regierung will Swissair verklagen, Beschäftigte und Medien machen die Schweiz für den Niedergang der Sabena verantwortlich.

Die belgische Fluglinie, die noch mehrheitlich in staatlicher Hand ist, war durch eine verfehlte Expansionsstrategie in Schwierigkeiten gekommen. Im Januar hatten die belgische Regierung und die Swissair ein Abkommen geschlossen, demzufolge Swissair die Aktienmehrheit an Sabena erwerben sollte. Die neue Swissair-Führung unter dem früheren Nestlé-Chef Mario Corti hatte versucht, sich davon zurückzuziehen, worauf der belgische Minister für Staatsbetriebe, Rik Daems, Klage auf Vertragserfüllung bei einem Brüsseler Gericht erhoben hatte. Beide Seiten einigten sich schließlich auf eine gemeinsame Kapitalerhöhung um 430 Millionen Euro, deren erste Rate Ende September ausbezahlt werden sollte. Noch vor einer Woche hat Corti nach belgischen Presseberichten zugesagt, die Swissair werde ihre Verpflichtungen einhalten.

Die Nachricht von der geplanten Übernahme der Swissair durch deren frühere Tochter Crossair und das Ausbleiben der 125 Millionen Euro schlugen in Brüssel wie eine Bombe ein. Sowohl die Sabena-Führung, als auch Minister Daems haben inzwischen angekündigt, die im Juli zurückgezogene Klage gegen die Schweizer erneut zu erheben. Der Kampf um die Zukunft der Sabena bekommt dabei ausgesprochen schweizfeindliche Züge. "Die Schweizer haben unser Geld eingesteckt", titelt etwa "La Libre Belgique". Minister Daems: "Die Schweizer sollen nicht glauben, dass sie so einfach davonkommen!" In einer Erklärung der belgischen Regierung nach einer Krisensitzung ist von einer "flagranten Vertragsverletzung durch Swissair" die Rede. Besonders missfällt der belgischen Öffentlichkeit das Manöver der beiden Schweizer Banken UBS und Credit Suisse, die die Crossair als Auffanggesellschaft für die rentablen Swissair-Aktivitäten finanzieren wollen.

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