Wirtschaft : Swissair: Die Airline will sich mit Milliardenverkäufen sanieren

Mit Verkäufen in Milliardenhöhe will sich die hoch verschuldete Schweizer Fluggesellschaft Swissair sanieren. Swissair-Chef Mario Corti kündigte am Donnerstag in Zürich an, der Konzern werde in den kommenden 18 Monaten Flugzeuge, Finanzbeteiligungen und Immobilien im Wert von drei Milliarden Schweizer Franken (rund 1,96 Milliarden Euro/3,84 Milliarden Mark) abstoßen. Die Schulden der Fluggesellschaft beliefen sich laut Corti Ende Juni auf 7,8 Milliarden Schweizer Franken (rund 5,1 Milliarden Euro/9,98 Milliarden Mark), eine Milliarde mehr als noch vor einem halben Jahr.

Die Gruppe habe aber ausreichende flüssige Mittel und bestehende Kreditlinien, um das laufende Geschäft zu finanzieren, versicherte Corti. Erste Schritte zur Sanierung seien eingeleitet, es müsse aber noch sehr viel mehr geschehen, damit die Swissair-Gruppe wieder festen Boden finde, und noch viel mehr, wenn die Swissair ihrem Ruf als eine der führenden Fluggesellschaften wieder gerecht werden wolle.

Für die weitere Strategie kündigte Corti die Konzentration auf den Lufttransport sowie die Restauration und Duty-Free-Shops an. Die Swissair-Aktie verzeichnete nach Bekanntgabe des Sanierungsplans einen Kursanstieg von 9,4 Prozent und notierte am Nachmittag bei 100,25 Schweizer Franken (65,60 Euro). Mit dem Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr 2001 ist man bei der Schweizer Fluggesellschaft zufrieden. Der Umsatz wurde um 5,2 Prozent auf 6,4 Milliarden Franken gesteigert. Die Einnahmen aus dem Luftfahrt-Kerngeschäft kletterten um 8,9 Prozent auf 2,9 Milliarden Franken. Die Auslastung habe sowohl bei der Swissair als auch bei der Tochter Crossair über dem Branchendurchschnitt gelegen.

Corti, der die Führung der schwer angeschlagenen Fluggesellschaft im März übernommen hatte, stellte für das Jahr 2001 einen deutlich höheren Unternehmensumsatz in Aussicht als im Vorjahr. Die Kapazitäten im Fluggeschäft sollen ausgebaut werden. Zudem soll der Akzent auf Linien mit ertragsstarkem Verkehr gelegt werden. Neben dem Schwerpunkt Zürich als interkontinentalem Drehkreuz sollen die rentablen Flüge ab Genf ausgebaut werden. Im vergangenen Jahr musste das Schweizer Unternehmen ein Minus von 2,9 Milliarden Schweizer Franken (1,9 Milliarden Euro) hinnehmen, den höchsten Konzernverlust in seiner 70-jährigen Geschichte. Grund waren vor allem verlustreiche Beteiligungen an der deutschen LTU-Gruppe, der belgischen Sabena und an den französischen Regionalfluggesellschaften AOM/Air Liberté und Air Littoral. Bereits vor drei Monaten hatte Swissair Vermögenswerte in Höhe von 900 Millionen Schweizer Franken (590 Millionen Euro) verkauft. Corti kündigte am Donnerstag eine Fortsetzung des Sanierungskurses an. So solle der Reiseveranstalter LTU (49,5 Prozent Swissair-Beteiligung) durch Kostensenkungen vom Jahr 2003 an wieder in die Gewinnzone kommen. Im Streit mit Sabena (gleichfalls 49,5 Prozent Swissair-Beteiligung), den die Brüsseler Regierung inzwischen vor Gericht austrägt, sprach er sich für "konstruktive Gespräche" mit allen Betroffenen aus. Brüssel wirft der Schweizer Fluggesellschaft vor, ihren Verpflichtungen aus ihren Sabena-Anteilen nicht nachzukommen, und fordert Zahlungen von bis zu einer halben Milliarde Euro.

Zudem setzt Swissair auf Kostensenkungen durch Partnerschaften. So gebe es im Service-Bereich bereits Gespräche in einem "fortgeschrittenen Stadium", die Swissair-Tochter Atraxis mit dem Service-Bereich der Lufthansa zu fusionieren. Die Gespräche fänden mit voller Unterstützung des Verwaltungsrates der Swissair Group und des Lufthansa-Vorstandes statt, so Corti. Atraxis und Lufthansa Systems sind international führende Anbieter von umfassenden IT- Lösungen für die Luftfahrtbranche. Atraxis Group bedient weltweit rund 60 verschiedene Fluggesellschaften und 40 Flughäfen.

Zur Zukunft der bankrotten französischen Swissair-Tochter AOM/Air Liberté sagte Corti, ab dem 19. Juli könne das Ergebnis der laufenden Verhandlungen bekannt gegeben werden. Die französische Regionalfluggesellschaft hatte wegen chronischer Verluste Mitte Juni Insolvenz angemeldet. Mehrere Unternehmen machten ein Übernahmenangebot. Air Littoral wurde bereits verkauft.

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