Wirtschaft : Swissair: Letzter Rettungsversuch

Der Schweizer Flug-Mischkonzern Swissair Groupsoll nach Angaben von informierten Kreisen auf eine reine Fluggesellschaft reduziert und mit der Regionalfluglinie Crossair zusammengelegt werden. Die übrigen Konzernteile sollen geschlossen oder verkauft werden. Das erfuhr Reuters wenige Minuten bevor Vertreter der Swissair-Konzernleitung und die Chefs der beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse um 17.00 Uhr in Zürich vor die Medien treten wollten.-Zürich/Bern (rtr/AP). Die Verhandlungen über die Sanierung des angeschlagenen und mit Liquiditätsproblemen kämpfenden Schweizer Luftfahrtkonzern Swissair Group dauern länger als erwartet. Die Schweizer Bundesregierung (Bundesrat), die zunächst am frühen Montag nachmittag zu einer Sondersitzung zusammentreten wollte, verschob diese auf den Abend. Die Aktie wurde vom Handel ausgesetzt. Der Flugbetrieb der Swissair verlief zwar noch normal, doch konnte die Swissair-Buchungsstelle keine Garantien für den Rest der Woche abgeben. Bei Sabena, der belgischen Beteiligung von Swissair, wurden zehn von 22 innereuropäischen Flügen gestrichen.

Zur Diskussion steht ein Rettungsplan der Großbanken UBS und Credit Suisse mit einer Finanzhilfe von rund einer Milliarde Franken. Die Banken machten Sprechern zufolge ihre am Sonntag angebotene Finanzhilfe davon abhängig, dass das Geld ausschließlich zur Rettung des Fluggeschäfts eingesetzt wird. Weitere Einzelheiten des Planes wurden nicht bekannt. Der Vorschlag der Banken geht aber dahin, dass die gesunden Teile des Swissair-Fluggeschäftes aus dem Konzern herausgelöst und auf die Swissair-Tochter Crossair übertragen werden. Diese würde dann als eine Art Auffanggesellschaft oder "New Swissair" sicherstellen, dass die Schweiz weiterhin über eine nationale Fluggesellschaft verfügt, die auch eine hinreichende Auslastung des Zürcher Flughafens garantieren kann. Das könnte aber Arbeitsplätze kosten.

Swissair und die 70-Prozent-Tochter Crossair beschäftigen zusammen in ihrem Fluggeschäft 10 600 Mitarbeiter und kamen im Jahr 2000 im Passagierverkehr auf einen Umsatz von sieben Milliarden Schweizer Franken. Der ganze Swissair-Konzern zählt rund 72 000 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von 16 Milliarden Franken. Im vergangenen Jahr verbuchte Swissair einen Verlust von 2,9 Milliarden Franken.

Was mit den Nicht-Flugbereichen des Konzerns geschehen sollte, falls der Banken-Plan in Kraft tritt, blieb am Montag zunächst offen. Nach Ansicht von Rechtsexperten wäre es nicht so ohne weiteres möglich, alle anderen Konzernteile in Konkurs gehen zu lassen, nur um das Fluggeschäft zu retten. Es sei nicht zulässig, einfach alles in eine neue Gesellschaft zu geben und die alte in Konkurs gehen lassen, sagte der Rechtswissenschaftler Alexander de Beer von der Universität Fribourg am Montag. "An den Werten, die jetzt noch vorhanden sind, müssen die alten Aktionäre beteiligt bleiben", fügte de Beer hinzu.

Börsenexperten machten den Swissair-Aktionären aber nicht mehr viel Hoffnung. Die 63 000 Swissair-Aktionäre müssen sich nach Ansicht der Zürcher Kantonalbank möglicherweise auf einen Totalverlust gefasst machen. Selbst die Besitzer der 13 Swissair-Anleihen im Wert von 4,4 Milliarden Franken müssen damit rechnen, dass sie nicht die ganzen Obligationen zum vereinbarten Termin zurückgezahlt bekommen.

Die Situation bei Swissair war am vergangenen Freitag dramatisch geworden als die Liquidität der Gesellschaft nicht mehr gesichert schien und eine nicht bekannte Einzelfirma den Fortgang der Geschäfte sicherte. Zuvor schien noch ein allgemeiner Sanierungsplan Erfolg zu versprechen, bei dem die Banken ihre Kredite in Eigenkapital umgewandelt hätten und die Aktionäre möglicherweise einen Kapitalschnitt mit Wiederaufstockung hätten hinnehmen müssen. Doch offenbar sahen die Banken in diesem Vorgehen keinen Sinn mehr. Die Swissair-Aktien sollen auch am Dienstag vom Handel suspendiert bleiben.

Die Swissair war durch eine missglückte Expansionspolitik bereits seit längerem in Schwierigkeiten. Die Anschläge in den USA mit den Einbrüchen im allgemeinen Flugverkehr verschärften die Probleme. Vor allem wurde der Verkauf von Konzernfirmen, der neues Geld in die Swissair-Kasse bringen sollte, immer schwieriger.

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