Wirtschaft : Swissair: Pleite belastet Credit Suisse

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Auch in den Büchern der Schweizer Großbanken hinterlässt die Swissair-Pleite Spuren. Die detaillierten Daten für das dritte Quartal liegen zwar erst Ende November vor, doch die Credit Suisse Group (CS), die gemeinsam mit der UBS die Führung von Swissair übernommen hat, teilte bereits am Dienstag mit, dass mit einem Verlust gerechnet werden müsse. Auf Grund der "negativen Marktentwicklung" werde das Minus voraussichtlich 300 Millionen Franken betragen - umgerechnet knapp 400 Millionen Mark.

Neben Swissair, deren ungedeckte Kreditaußenstände die Bank zu einer Wertberichtigung in Höhe von 200 Millionen Franken veranlasst haben, führt CS als Ursachen für die schlechte Entwicklung den operativen Verlust der US-Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) auch nach den Terroranschlägen in den USA, niedrigere Gewinne im Versicherungsgeschäft und eine Wertberichtigung bei der Beteiligung an der Versicherung Swiss Life an.

Allein im Investmentbanking (siehe Lexikon), also bei der CS-Tochter Credit Suisse First Boston (CSFB), wird für das dritte Quartal mit einem operativen Verlust von 200 Millionen Franken gerechnet. Der Bruttoertrag sank gegenüber dem zweiten Quartal um 20 Prozent. Aus diesem Grund wurde ein umfassendes Kostensenkungsprogramm angekündigt. Bis Ende 2002 soll eine Milliarde US-Dollar eingespart werden. Über alle Bereiche hinweg werden 2000 Stellen abgebaut. Das entspricht sieben Prozent der Belegschaft bei der Investmentbanktochter. Zurzeit beschäftigt CSFB weltweit 27 000 Mitarbeiter (in der CS Groupe sind es 80 000). In der Schweiz sind es 1200.

Die Probleme von CSFB kommen nicht aus heiterem Himmel. "Die CSFB gehört zwar zu den besten Investmentbanken der Welt, aber unsere Kostenstrukturen liegen über denen unserer Wettbewerber", sagt CS-Sprecher Andreas Hildenbrand. Im zweiten Quartal lag die so genannte Kosten-Gewinn-Relation bei fast 82 Prozent; der Personalaufwand erreichte rund 58 Prozent des Bruttoertrages. Konjunktursorgen und schlechtes Börsenumfeld habe den akuten Handlungsbedarf in den vergangenen Monaten zu Tage gefördert. Der drastische Rückgang im Emissionsgeschäft und die schlechten Voraussetzungen für Unternehmensakquisitionen mache den Schweizern besonders zu schaffen.

Weniger schwerwiegend sind für CS die Probleme im Versicherungsgeschäft. Schwierigkeiten gäbe es, so Hildenbrand, hier weniger im operativen Bereich. Vielmehr mache sich die schlechte Stimmung an den Finanzmärkten im Finanzgeschäft negativ bemerkbar. Außerdem hat die Fünf-Prozent-Finanzbeteiligung an der Swiss Life, vormals Rentenanstalt, nach den Terroranschlägen in den USA deutlich an Wert verloren. Zurzeit betrage der nicht realisierte Verlust 400 Millionen Franken.

Insgesamt sind die Prognosen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr verhalten. Allerdings zeichnet sich seit Monaten ab, dass 2001 für die privaten Geschäftsbanken nicht mehr optimal verlaufen wird. In den vergangenen fünf Jahren, als der Anlagebedarf der Erbengeneration deutlich wurde, stürmten die Anleger zeitweise die Schalter der Schweizer Banken. Eine Normalisierung zeichnete sich bereits in den Halbjahresbilanzen der Banken ab.

Wie CS das Jahr abschließen wird, kommt nicht zuletzt auf die Weiterentwicklung im Fall Swissair an. Ob es bei der Wertberichtigung von 200 Millionen Franken bleibt, ist fraglich. Noch steht nicht fest, ob größere Forderungen im Zuge der Swissair-Abwicklung auf CS zukommen. Dass es Überlegungen gibt, zeigen Verlautbarungen aus dem Kreis der übrigen Banken, die bei Swissair involviert sind. Bekanntlich fühlte man sich hier, als sich die Krise bei Swissair zuspitzte, von UBS und CS nicht ausreichend informiert und erwägt nun eine Klage.

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