Wirtschaft : Swissair: Schweizer Fluglinie muss 1250 Stellen streichen

ef/ebe

Die Swissair Group hat auch im ersten Halbjahr 2001 einen Verlust in Höhe von 234 Millionen Schweizer Franken gemacht. Zur Rettung der angeschlagenen Fluggesellschaft sollen deshalb bisher profitable Geschäftszweige verkauft und rund 1250 Stellen abgebaut werden. Das gab Konzernchef Mario Corti gestern in Zürich bekannt. Der Kurs der Swissair-Aktie gab darauf hin deutlich nach. An der Börse in Zürich stand das Papier am Abend 8,90 Prozent niedriger bei 99,75 Schweizer Franken. Damit haben die Aktien seit Jahresbeginn zwei Drittel ihres Wertes verloren.

Zwar hat Corti das Ausbluten des Konzerns vor allem mit dem Verkauf der Töchter in Frankreich und den Ausstieg auf Raten bei Belgiens Sabena gestoppt. Zur Achillesferse könnte jedoch die Beteiligung (49,5 Prozent) an der deutschen Charterfluggesellschaft LTU werden. Finanzchefin Jacqualyn Fouse versicherte gestern dennoch, die Swissair Group werde für den gesamten Eigen- und Fremdkapitalbedarf der LTU bis 2005 aufkommen. Spekulationen, die Swissair könne nach ihrem harten Ausstiegsprogramm auch bei LTU vertragsbrüchig werden, sind damit aus der Welt. Die seit Jahren defizitäre Düsseldorfer Fluggesellschaft gab kürzlich erste Fortschritte ihres Sanierungskurses bekannt und will bis 2004 aus den roten Zahlen kommen.

Mario Corti, ehemaliger Nestlé-Finanzchef, war im Frühjahr als Nothelfer bei der Swissair eingesprungen. Durch überzogene Auslandsexpansion hatten Cortis Vorgänger die Ressourcen des Schweizer Nationalcarriers überspannt und ihn hart an den Rand des Absturzes geführt. Kaum im Amt, hatte das neue Management dann bereits tiefe Schnitte gesetzt. Nun werden weitere Maßnahmen folgen, sagte Corti.

Vor allem muss die stark in Schieflage geratene Bilanz saniert werden. So hat die Sichtung durch die Wirtschaftsprüfer von KPMG das ganze Ausmaß der Probleme ans Licht gebracht: Die Schulden sind weit höher als bisher angenommen. Zur Jahresmitte türmen sich vor der Swissair Nettoschulden von knapp 15 Milliarden Schweizer Franken auf. Dem stehen nur noch Eigenmittel von 555 Millionen Schweizer Franken gegenüber, sagte Finanzchefin Fouse. Zwar sei die Liquidität gesichert, doch um die eigene Handlungsfähigkeit zu bewahren, müsse schnell gehandelt werden, sagte Corti.

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