Wirtschaft : Symbol der Maßlosigkeit

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AOL war lange der ungeliebte Verwandte in der Familie der Informationstechnik. Der Internetanbieter ist zum Mühlstein um den Hals der TimeWarner- Gruppe geworden. Aber der Kampf zwischen Google und Microsoft hat AOL im Wert steigen lassen, denn beide haben es auf AOL abgesehen.

AOL betreibt zwei Geschäfte: Es bietet zum einen den Zugang ins Netz und zum anderen Inhalte im Internet an. Letzteres ist für Google und Microsoft interessant. AOL ist die fünftbeliebteste Adresse im Web, und die Nutzer sind die mit Abstand größte Gruppe, die Instant Messaging (also den schnellen Austausch von Nachrichten) oder Chatting betreibt. Aber AOL hat es nicht geschafft, mit dieser Kundschaft Geld zu verdienen. Das ist auch der Grund, warum Googles Angebot für einen Anteil an AOL relativ gering ausfällt. Google selbst macht mit etwa zehn Prozent mehr Nutzern als AOL fast zwölfmal so viel Umsatz und glaubt, ähnlich wie der mitbietende Konkurrent Microsoft, AOL besser vermarkten zu können.

Dazu kommt, dass keiner der Interessenten AOL dem anderen überlassen könnte, ohne selbst Schaden zu nehmen. So nutzt AOL auf seinen Seiten Google als Suchmaschine. Sollte Microsoft gewinnen, könnte die Firma eine eigene Suchmaschine auf den AOL-Seiten installieren und Google ausbooten. Beide Firmen wollen zudem in die Internet-Telefonie einsteigen. Für die Entwicklung dieses Geschäfts beginnt man am besten beim Instant Messaging. Keiner der Konkurrenten darf AOLs Stammnutzer an den anderen verlieren.

Time-Warner-Chef Richard Parsons war unter großem Druck, AOL entweder umzustrukturieren oder zu verkaufen. Der Kampf zwischen Microsoft und Google kommt Parsons also sehr gelegen. Wenn Bietende in einer Auktion heißlaufen, gewinnt der Verkäufer am meisten. Die Fusion von AOL und Time Warner war ein Sinnbild der Exzesse des ersten Internetbooms. Es wäre eine Ironie der Geschichte, wenn AOL durch einen Verkauf an Google oder Microsoft zum zweiten Mal zum Symbol der Maßlosigkeit würde.

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