Wirtschaft : Symbol des Wirtschaftswunders

RALF HORAK

Eine Ära geht zu Ende.50 Jahre ist die D-Mark alt, Symbol für wirtschaftlichen Aufschwung und Stabilität in der Bundesrepublik Deutschland.Geprägt haben diesen Aufbau in den Wirtschaftswunderjahren eine ganze Reihe von Betrieben und Unternehmern, die Gründergeneration der Nachkriegszeit.Nun macht die D-Mark dem Euro Platz.Was ist aus den Unternehmen der Wirtschaftswunderjahre geworden, wie haben sie den Generationswechsel bewältigt? Der Tagesspiegel stellt einige von ihnen in lockerer Folge vor.



Aufschwung war in Deutschland 1948 noch ein Fremdwort.Deshalb war es ein gewagter Schritt, als die Dr.Ing.h.c.F.Porsche GmbH in jenem Jahr den ersten Sportwagen der gleichnamigen Marke baute.Doch das Wirtschaftswunder und die D-Mark steigerten in den Folgejahren die Kaufkraft, wodurch auch die Nachfrage nach Luxusgütern anzog.Anfangs produzierte die Firma jährlich zehn Fahrzeuge.Bis heute liefen in Zuffenhausen mehr als eine Million Porsche vom Band.Aus dem schwäbischen Familienunternehmen hat sich ein weltweit agierender Automobilkonzern entwickelt.Standorttreue wird im Hause Porsche dennoch großgeschrieben: Der Schriftzug "Stuttgart" und das springende Pferdchen, Stadtwappen der baden-württembergischen Landeshauptstadt, prägen das Emblem der edlen Flitzer.

Doch die Premiere fand nicht in Schwaben, sondern in Österreich statt.Das 1931 in Stuttgart gegründete Konstruktionsbüro Porsche verlegte aufgrund der Bombenangriffe während des Krieges seinen Sitz in sichere Gefilde nach Gmünd in Kärnten."Ferry" Porsche, Sohn des Firmengründers Ferdinand Porsche, entwickelte den Typ 356, der dort am 8.Juni 1948 zugelassen wurde.Der von Porsche im Jahr 1934 entwickelte VW-Käfer bildete dabei die Basis für den 356.Erst fünf Jahre nach Kriegsende kehrte das Unternehmen, mittlerweile selbst ein Automobilhersteller, wieder zum Stammsitz nach Zuffenhausen zurück.Hier begann im gleichen Jahr die Serienproduktion des ersten Porsche Sportwagen.Zuvor stellte Porsche sein bisher erfolgreichstes Produkt vor: Der 911 ist mit bisher knapp 450 000 verkauften Einheiten das Aushängeschild des Unternehmens bis heute.

Die Familien Porsche und Piëch ziehen sich 1972 aus der aktiven Geschäftsleitung zurück.Das Unternehmen wird zur gleichen Zeit in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, und geht 1984 an die Börse.Porsche konzentrierte sich damals jedoch zu stark auf das US-Geschäft.Fast zwei Drittel der Produktion ging in die USA.Als der Dollar Mitte der achtziger Jahre stark an Wert verlor, rächte sich das.Nach Jahren des stetigen Wachstums brach der Umsatz 1988 innerhalb von zwei Jahren fast um ein Drittel weg.Veraltete Produktionsweisen und die Flaute in der Automobilindustrie taten ihr übriges.Die Porsche AG erwirtschaftete im Geschäftsjahr 1992/93 einen Verlust von fast 240 Mill.DM.Porsche schien vor dem Ende zu stehen, als der jetzige Vorstandsvorsitzende, Wendelin Wiedeking seine Arbeit aufnahm.

Wiedeking restrukturierte Produktionsabläufe und Management.Mit Hilfe japanischer Spezialisten führte Wiedeking eine moderne, am japanischen Vorbild orientierte Lean Production ein.Auch ein neues Produkt stellte Porsche vor: den Roadster Boxster.Seit drei Jahren schreibt der Konzern nun wieder schwarze Zahlen.Im Jubiläumsjahr rechnet Porsche mit einem neuen Rekordergebnis.

Nach einem halben Jahrhundert Porsche und D-Mark muß sich das Unternehmen den künftigen Markterfordernissen anpassen.Doch vor dem Euro fürchten sich die Autobauer in Stuttgart-Zuffenhausen nicht: "Wir freuen uns auf die neue Währung, denn sie sorgt für eine größere Kalkulationssicherheit", sagt Porsche-Sprecher Manfred Ayasse.Zum Fahrzeuggeschäft gesellte sich in den letzten Jahren auch ein starkes Engagement in Finanzdienstleistungen und in der Unternehmensberatung.Porsche diversifiziert und vergrößert demnächst auch die Produktpalette.Die Bank Sal.Oppenheimer empfiehlt die Porsche Aktie aufgrund des "starken Produktmix" zum Kauf.Denn neben dem 911 und dem Boxster wird das Kerngeschäft ein drittes Standbein erhalten.Ein sportliches Off-Road-Fahrzeug soll gemeinsam mit Volkswagen entwickelt und produziert werden.Die alte Verbindung zu VW wäre somit wieder hergestellt.

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