Wirtschaft : Symbol einer neuen Ära

Das US-Finanzministerium plant für die Zukunft: Wie soll die irakische Währung nach dem Ende des Saddam-Regimes aussehen?

Bob Davis,Farnaz Fassihi

Von Bob Davis

und Farnaz Fassihi

Qadir Mohammad hat 200000 irakische Dinare – etwa 70 Euro – mit Saddam Husseins Bild. Aber der 54jährige Landwirt ist nach Sulaymaniyah gekommen, um sie auf einem schmuddeligen Basar loszuwerden. „Saddam geht unter und mit ihm seine Währung“, sagt Mohammad. Er tauscht seine Geldscheine gegen eine ältere Version der irakischen Währung ohne Saddam Husseins Portrait. Das gesamte Land wird bald das gleiche tun müssen, weil die „Saddam-Dinare“ nicht überleben werden, wenn der von den USA geführte Krieg erfolgreich sein Regime zerstört.

Aber das wirft eine schwierige Frage auf, die wirtschaftliche, politische und psychologische Aspekte berührt: Wie soll die neue irakische Währung aussehen? Das US-Finanzministerium berät sich mit Exilirakern über eine Nachkriegswährung, die im Leben der Normalbürger eines der auffälligsten Symbole einer neuen Ära sein wird. Geldscheine und Münzen können dazu beitragen, grundverschiedene Menschen innerhalb eines Landes zu einen – oder die Kluft zwischen ihnen zu unterstreichen.

Als die zwölf europäischen Nationen sich zur Währungsunion zusammenschlossen, konnten sie sich nicht entscheiden, welches historische Symbol sie für den Euro verwenden sollten. Statt dessen haben sie sich entschieden, ihre Scheine mit erdachten Aquädukten zu schmücken. Im Irak ist der Riss zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen noch größer. Manche Exiliraker sagen, das Bild Saddam Husseins solle durch das von Hammurapi, des antiken babylonischen Herrschers, der für Gerechtigkeit steht, ersetzt werden. Andere sind dagegen; Sie sagen, auch Hussein identifiziere sich mit Babylonien und außerdem sei dort das Judentum aufgeblüht. Beides nicht gerade erwünschte Assoziationen in dem neuen Irak. „Die Bevölkerung im Irak ist so uneinheitlich – wen könnte man auswählen, der Kurden, Schiiten und Sunniten gleichermaßen glücklich macht?“, fragt Worriya Hamali, ein Währungshändler aus Sulaymaniyah.

Im Irak sind zwei verschiedene Sorten Dinare im Umlauf. Die Kurden im Norden, die seit dem ersten Golfkrieg jenseits der Kontrolle Husseins leben, benutzen Dinare, die sie selbst als „Schweizer Dinare“ bezeichnen. Eigentlich ist nichts Schweizerisches an ihnen – eine britische Firma druckte sie, bevor Saddam Hussein 1979 die Macht übernahm. Der frühere Präsident der irakischen Notenbank Saleh Al-Shaikhly sagt, der Name sei haften geblieben, nachdem einige Iraker ihre Produkte qualitativ mit denen der Schweiz verglichen. Um 1991 begann Saddam Hussein, neue Dinare mit seinem Abbild zu drucken und sie im Rest des Landes zu verteilen. Er ließ so viele drucken, dass dies zu einem Jahrzehnt hoher Inflation führte. Heute wird der Wert eines Schweizer Dinars auf etwa 15 US-Cents (14 europäische Cents) geschätzt; ein Saddam-Dinar liegt bei einem Dreißigstel US-Cent, Tendenz fallend.

Das amerikanische Finanzministerium hat erklärt, um ein Finanzchaos zu vermeiden, sollten – jedenfalls zunächst – im Nachkriegsirak beide Sorten Dinare weiter benutzt werden. „Die Menschen im Irak sollen ihre eigene Währung wählen“, hieß es aus dem Finanzministerium. „Für die Zwischenzeit denken wir, dass die jetzt gültigen Währungen weiter benutzt werden können.“ Auf dem Markt in Sulaymaniyah werden beide Sorten Dinare zum Verkauf angeboten, aber die Händler decken sich mit den Schweizern ein. Nouzad Mohammad Karim, ein 32jähriger Händler, hält eine schwarze Plastiktasche voller Schweizer Dinare in der rechten und vier neue hundert Dollarscheine in der linken Hand. Die Nachfrage treibt den Preis für die Dinare in die Höhe; die Menschen glauben, dass diese Währung nach dem Fall Husseins sehr begehrt sein wird. „Ich rate allen meinen Verwandten, die Schweizer Dinare zu kaufen“, sagt er.

Seit Beginn der Invasion ist ihr Wert um 50 Prozent gestiegen. Der Internationale Währungsfonds hat sich noch nicht in die Planung eingeschaltet. Dort fürchtet man, dass dies ohne Zustimmung Bagdads als Unterstützung des Regimesturzes angesehen werden könnte. Inzwischen wägt die US-Regierung gemeinsam mit Gruppen von Exilirakern die Möglichkeiten ab. Eine Alternative ist, die irakische Währung durch den US-Dollar zu ersetzen. Als Zwischenlösung könnte eine neue irakische Regierung dem Bild Saddam Husseins auf den Dinaren buchstäblich einen Stempel oder eine Beschriftung aufdrücken. Das tat die neue iranische Regierung mit den Banknoten, auf denen der Schah abgebildet war, nachdem dieser 1979 abgesetzt worden war. Aber das würde die schwierige Entscheidung, was langfristig auf die neue Währung kommt, nur verzögern.

Übersetzt und gekürzt von Christian Frobenius (Frankreich), Markus Häußer (Sars), Matthias Petermann (Russland), Tina Specht (Irak-Währung) und Karen Wientgen (Öl).

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